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This is Finnish but not the end

Finnisch lernen? Jeder, der sich ein wenig mit Fremdsprachen auskennt, wird wohl sagen: Lass es – zu kompliziert… Es muss also ein akuter Anflug von Größenwahn gewesen sein, der mich dazu trieb, vor ca. zwei Monaten auf Empfehlung von Katrin die App Memrise  genau zu diesem Zweck auszuprobieren.

Nun ist Memrise, wie der Name schon suggeriert, vor allem eine App zum Auswendiglernen, die von Arabisch über Esperanto bis Quechua für so ziemlich jede Sprache (kostenlose) Lektionen bereit stellt, mit der man sich aber auch Hauptstädte, Matheformeln oder Komponistennamen einprägen kann. Als Merkhilfen sollen dabei sogenannte Mems dienen – Illustrationen mit bisweilen aberwitzigen Eselsbrücken zur Muttersprache / ins Englische, die andere Nutzer angelegt haben. Was die App aber nicht kann, ist Grammatikregeln erklären, Deklinations- oder Konjugationstabellen anbieten etc. Beste Voraussetzungen also für eine Sprache, die über 15 Fälle verfügt und in der alles flektiert wird!

Meister Yodas Satzstellung als Gedächtnisstütze für das finnische Wort für "essen".

Yodas Satzstellung als Gedächtnisstütze für das finnische Wort für „essen“.

Angefangen habe ich also mit dem Kurs Beginner’s Finnish, der in 22 Lektionen 550 Wörter Grundwortschatz vermittelt. Schöne Eselsbrücken, hohe Erfolgsquoten beim Wiederholen der Vokabeln – alles schön und gut: Sätze, die nur aus Infinitiven und Nominativen bestehen, begegnen einem in freier Wildbahn aber nunmal leider selten…

Finnisch für Anfänger schien da eine gute Ergänzung, weil der Kurs neben reinen Vokabeln auch alltagstaugliche Phrasen enthält, die zwar auch nicht die darin enthaltenen Flektionen erklären, einen aber immerhin mit verwendbaren Sätzen ausstattet.

„Sprichst du Englisch“ – ein Satz, der viele weitere erübrigen könnte…

Wie steht es also um mein Finnisch, eine Woche bevor ich wieder nach Sammatti reise, um im finnischen Wald eine Woche lang so zu tun, als sei ich eine Ballerina?

Nun ja: Mein Wortschatz beläuft sich auf ca. 500 Vokabeln, die laut Memrise in meinem Langzeitgedächtnis verankert sind. Die finnischen Posts in der Facebook-Gruppe zu dem Tanz-Camp allerdings lassen mich vermuten, dass meine Finnisch-Kenntnisse auch in diesem Jahr allenfalls zum Begrüßen, Bedanken oder zur Belustigung der Einheimischen reichen werden. Aber da die Antwort auf die Frage oben in 99% der Fälle „kyllä“ lautet, ist ja alles easy. Eben: This ist Finnish but not the end…

 

Passierschein A 38

Wie ich einmal meinen Kindle im Flugzeug nach Moskau vergaß und versuchte, ihn wieder zu bekommen…

Was tut man, wenn man – trotz freundlicher Hinweise der Crew – so schlau ist, seinen Kindle im Flugzeug in der Tasche des Vordersitzes zu vergessen und dies erst auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt merkt?

Richtig, man kontaktiert die Airline oder checkt deren Website (oder beides) und erhält in meinem Fall die Auskunft von Airberlin, dass man sich an das örtliche Lost & Found am Ankunftsflughafen wenden solle.

Also auf dem Rückweg ein wenig extra Zeitpuffer einplanen, um in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht und in dem überraschend – um nicht zu sagen erschreckend – wenige Menschen englisch sprechen, nicht nur das Fundbüro zu finden, sondern sich dort auch noch begreiflich zu machen.

Der Plan erwies sich allerdings als kühn – trotz guter Vorbereitung in Form eines Screenshots der Google-Übersetzung meiner essenziellen Botschaft. Eine Odyssee in 12 Etappen, die mich mehr als einmal an Asterix und Obelix im Haus, das Verrückte macht, erinnerte:

"Ich habe meinen Kindle im Flugzeug vergessen."

„Ich habe meinen Kindle im Flugzeug vergessen.“

 1. Station: Der Airberlin-Service-Schalter

Die des englischen mächtige und freundliche Mitarbeiterin dort schickt mich ans Ende der Halle „hinter die Zollabfertigung“. Am Ende der Halle angekommen, sehe ich zwar den Ausgang der Zollabfertigung für ankommende Passagiere, aber nichts, was auch nur im entferntesten nach einem Lost- & Found-Schalter aussieht.

2. Station: Der Info-Point des Flughafens

Also zurück in die Mitte der Flughafenhalle zur allgemeinen Information: In brüchigem Englisch schickt man mich dort in die Richtung, aus der ich gerade kam. Also noch einmal gründlicher suchen und eventuell jemanden fragen.

3. Station: Ortskundig aussehende Menschen fragen

Das jedoch ist schwierig: Die Dame an der Geldwechselstube? Spricht kein Englisch, sondern telefoniert lieber weiter auf Russisch. Die beiden Sicherheitsfrauen am Ausgang? Kein Englisch. Die beiden Flughafenmitarbeiterinnen, die aus dem Zollabfertigungsbereich kommen? Kein Englisch. Schließlich weist mich die Mitarbeiterin am Schalter der nächstgelegenen Airline in die komplett entgegengesetzte Ecke der Flughafenhalle.

4. Station: Service-Schalter am anderen Ende des Terminals

Auch dort treffe ich auf eine passabel Englisch sprechende Mitarbeiterin, die mich um die Ecke und einen Gang entlang weist. Da die Schilder in dieser Richtung zur Gepäckaufbewahrung weisen, folge ich denen mal, in der Hoffnung, dass abgegebenes und gefundenes Gepäck gemeinsam verwahrt werden…

5. Station: Gepäckaufbewahrung

Hier allerdings bin ich wieder lost in translation:  weder die beiden Damen am Gepäckröntgengerät noch der unwillige Mensch an der Gepäckannahme, der sich erst beharrlich weigert, mich überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, sprechen Englisch. Also wieder zurück…

6. Station: Ein Mitarbeitereingang

Auf dem Weg versuche ich mein Glück noch an einem Mitarbeiter-Durchgang, der kontrolliert wird. Dort wiederum schickt man mich zurück zum Anfang.

7. Station: Die Gepäckausgabe für Sperrgut

Während ich das Terminal nun zum dritten Mal durchquere, fällt mir der Gepäckausgabeschalter für Sperrgut ins Auge und ich versuche auch dort mein Glück. Das reicht allerdings nicht so weit, dass die Dame dort Englisch verstünde. Mithilfe meines Screenshots kann ich mein Anliegen immerhin begreiflich machen und werde wiederum in Richtung meines Suchanfangs gewiesen. Unterwegs passiere ich erneut den Airberlin-Service-Schalter und beschließe, dort noch Mitarbeiterin 2 zu befragen.

8. Station: Der Airberlin-Service-Schalter

Während ich mich an Mitarbeiterin 2 wende, erkennt mich auch Mitarbeiterin 1 wieder und wirft ein, sie hätte mir doch schon beschrieben, wo ich hin müsse. Erst auf detailliertes Nachfragen ergibt sich, dass sie meinte, ich hätte mir am Ausgang der Zollabfertigung Einlass erbeten müssen, um im Bereich dahinter das Fundbüro zu finden. Allerdings würden Gegenstände, die vor mehr als zwei Tagen gefunden wurden, vom internationalen Ankunftsbereich in den nationalen verlagert, sodass ich direkt dort fragen sollte. Die Halle für nationale Ankünfte wiederum ist die, die ich gerade fast erreicht hatte, als ich bei der Gepäckaufbewahrung umgedreht hatte…

9. Station: Nationale Ankünfte

Also eine erneute Kehrtwende und wieder Ernüchterung: Bei den nationalen Ankünften angekommen, scheitere ich daran, dem dortigen Mitarbeiter begreiflich zu machen, dass und warum ich dorthin geschickt wurde – ohne Russisch bin ich nun wirklich mit meinem Latein am Ende und die Zeit bis zu meiner ausgewiesenen Boardingtime für den Rückflug ist auf 15 Minuten geschmolzen. 

10. Station: Ausreise-Zoll

Auf dem Weg zum Security-Check vor dem Gate unternehme ich einen letzten Versuch, die Mitarbeiter an der Zollkontrolle für Ausreisende zu fragen, bekomme aber nicht mehr als ein Schulterzucken.

11. Station: Der Lost & Found-Schalter am Heimatflughafen

Um nichts unversucht zu lassen, suche ich nach meiner Landung in Düsseldorf auch den dortigen Gepäckverlustschalter auf und erfahre, dass ich mir in Moskau – quasi entgegengesetzt der Einbahnstraße – Zugang zum Baggage-Claim-Bereich hätte verschaffen müssen, um dort ebenfalls den Lost & Found-Schalter zu finden. Nun bleibt mir nach Auskunft der freundlichen Mitarbeiterin wohl nicht nichts anderes übrig, als bis zum 20. des Monats (Mai) zu warten, um dann eine Anfrage an BaggageExpress zu richten, da nach diesem Termin jeweils alle nicht abgeholten Fundsachen aus Flugzeugen an die zentrale Sammelstelle in Berlin geschickt werden.

12. Station: Suchanfrage bei BaggageExpress

Was nun nach der vielversprechendsten Lösung klang, entpuppt sich leider als Enttäuschung:  Drei Anfragen auf verschiedenen Wegen (E-Mail, Kontaktformular, noch eine E-Mail – Telefonnummern werden wohl nicht angegeben, damit lästige Kunden wie ich nicht auch noch mündlich nerven) bleiben einfach unbeantwortet. Die immer gleiche Autoreply besagt, dass erst nach dem 20. des Folgemonats nach dem Verlust mit einer Antwort zu rechnen sei und vorher eingegangene Anfragen nicht aufbewahrt und berücksichtigt werden. Doch auch nach Verstreichen dieser Frist bekomme ich keine Reaktion.

Fazit: 

Mein Kindle wollte wohl gerne in Russland bleiben. Ich finde mich langsam damit ab, dass vor dem Urlaub ein Ersatz her muss und bin immerhin sicher, dass ich mich in Zukunft SEHR angesprochen fühlen werde, wenn beim Aussteigen aus dem Flieger darauf hingewiesen wird, nichts zu vergessen.

Update:

Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Posts kam dann doch eine Reaktion von BaggageExpress, die bestätigte, womit ich innerlich gerechnet habe:

Leider ist Ihr ebook nicht gefunden und an uns zur Lagerung übergeben worden. Es ist auch nicht zu erwarten, dass dieses noch bei uns eingehen wird (…).

Ras-dwa-tri – Eine russische Ballettstunde

Wenn man als Ballett-Nerd nach Moskau reist, ist das Programmangebot natürlich vielfältig: Bolschoi, Stanislawski, Kreml-Ballett oder andere Compagnien – irgendeiner tanzt eigentlich immer. Schon bei der Planung des ersten Moskau-Besuchs bei einer Freundin dort im vergangenen Oktober spukte mir allerdings die Idee im Kopf herum, dort Ballett nicht nur anzusehen, sonder selbst einmal zum Training zu gehen und eine „richtige“ russische Ballett-Stunde zu erleben. Eine schnelle Google-Suche nach „Adult Ballet Classes in Moscow“ ergab eine überschaubare Anzahl brauchbarer Treffer – darunter ziemlich weit oben Dance Secret. Der Name ist Ballett-Nerds von Facebook oder YouTube geläufig, wo regelmäßig beispielsweise historische Unterrichtsvideos der Bolschoi-Akademie zu sehen sind. Der Inhaber der Schule, Ilya Kuznetsov, unterrichtet selbst die Jungs an der Bolschoi-Akademie, was einerseits natürlich Qualität erwarten lässt, andererseits aber auch nicht gerade zur Entspannung beiträgt, wenn man als Ausländer zum ersten Mal dorthin marschiert… 

Ein Blick auf den Online-Stundenplan und eine Nachfrage per Mail ließen die Wahl  jedenfalls auf eine „Ballett 2“-Class fallen – was sich angesichts nicht-existenter Russisch-Kenntnisse als gute Entscheidung entpuppte, weil das Niveau basic genug war, um allen Kombinationen gut folgen zu können. Als nun ein zweiter Moskau-Besuch anstand, war es also keine große Frage, ob, wo und in welches Level ich zum Training gehen könnte. Während das Training im Oktober Ilya selbst gab, war es nun seine Partnerin Sol, die unterrichtete.

Ballet-Studio Dance Secret

Nach dem ersten Training bei Dance Secret im Oktober 2014

Auch nach dem zweiten Besuch zeigte sich: Komplette Sprachbarriere hin, universelle Ballett-Terminologie her – man versteht genug und kann so einige Beobachtungen machen:

  • Pliés werden wohl grundsätzlich nur zu einer Seite gemacht. In diesem Fall war es überraschenderweise auch noch die linke!
  • Tendus, Jetés und Grand Battements boten reichlich Grund zu Kritik (die ich natürlich nur aufgrund von Demonstrationen nachvollziehen konnte) und wurden deswegen zu beiden Seiten wiederholt
  • Rond de jambe, Rond en l’air und Adagio: hier wurde besonders penibel Wert gelegt auf die Auswärtsdrehung (was natürlich nicht überrascht) und viel mit Épaulement sowie Écarté und Effacé gearbeitet. Das setzte sich dann auch in der Mitte fort und die Richtungswechsel und Blickrichtungen schienen den anderen (12) Teilnehmern sehr vertraut und unproblematisch. Das wird also offenbar wichtiger genommen, als es mir von Lehrern in Deutschland geläufig ist.
  • In der Mitte war neben Épaulement gute Stabilität und Balance gefragt – nicht nur fürs Adagio, sondern auch für Relevés und Pirouetten aus der zweiten Position
  • Sprünge fielen eher mager aus: ein paar Échappés und nur eine Diagonale mit Chassées, die also den Namen Grand Allegro wirklich nicht verdient
  • Auch ohne ein Wort der Korrekturen  buchstäblich zu verstehen, kann man durch Körpersprache, Imitationen falscher Bewegungen und korrekte Demonstrationen die Kritikpunkte ganz gut erschließen. Nachdem ich mich aber beim Reinkommen als Ausländerin und des Russischen unkundig geoutet hatte, wurde ich wohl eher verschont – die regelmäßigen Teilnehmer waren jedenfalls namentlich bekannt und wurden auch offen korrigiert.
  • Vokabeln, die man sich innerhalb einer Stunde zusammen reimen kann, sind neben den (möglicherweise ohnehin bekannten) Zahlen von eins bis vier (ras-dwa-tri-tschetirije) die Worte für „links“, „nach vorne“, „zur Seite“, (der Ausdruck für „nach hinten“ hat sich mir komischerweise nicht erschlossen) und „Pirouette“ muss offenbar keine Pirouette bezeichnen, sondern nur eine Drehung im Allgemeinen
Dance Secret

Nach der Class im Studio von Dance Secret im April 2015

P. S.: Das ausführliche und ultimative Ballett-in-Moskau-Besuchsprogramm kann man bei meiner Gastgeberin nachlesen.

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