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Schlagwort: Fehler

Hard Facts zu einer Softshell-Jacke

oder: Wie ich mich bei einem Nähprojekt gleich mehrfach selbst austrickste

Ich gebe es zu: Mir ist kein Vorwand zu billig, wenn es darum geht, einen Anlass zum Nähen zu finden. Aber mal ehrlich: ein Urlaub in Norwegen ruft doch geradezu nach einer Softshell-Jacke, oder? Im August kann es dort mit etwas Glück zwar noch ganz angenehm temperiert sein, doch viel wahrscheinlicher ist es, dass man auch mal von einem Schauer erwischt wird. Und so ein leichtes, nicht allzu warmes, aber wasserabweisendes Jäckchen fehlte mir noch im Schrank.

Also habe ich nach geeigneten Schnittmustern Ausschau gehalten. Etwas 100 prozentig Passendes habe ich fertig nicht gefunden, also musste ich mir selbst einen Schnitt „ausdenken“. Als Basis diente mir die „Lady Bella“ von mialuna. Um den Schnitt von einer Hoodie-Jacke für meine Bedürfnisse anzupassen, musste ich aber ein paar Änderungen vornehmen:

  • Kapuze: Hier habe ich die von mialuna als Freebie-Ergänzung angebotene hochgezogene Variante gewählt und sie auch mit einer Kordel versehen.
  • Passe: Da ich einen Softshell-Stoff mit Muster verwendet habe, und ich das nicht gerne unnötig unterbrechen wollte, habe ich auf die Passe am Vorderteil verzichtet.
  • Taschen: Statt der Eingrifftaschen habe ich Reißverschluss-Taschen genäht. Die Form des Taschenbeutels habe ich dabei beibehalten und bei der Frage nach dem „Wie“ hat mir dieses Tutorial von pattydoo geholfen.
  • Saumbündchen: Die habe ich weggelassen und dafür die Jacke nach unten entsprechend verlängert. Darüberhinaus habe ich das Rückenteil in der Mitte noch weiter verlängert und nach außen hin abgerundet.
  • Ärmelbündchen: Hier verlangte die Frostbeule in mir nach Daumenloch-Bündchen, die ich nach diesem Tutorial genäht habe. (Insbesondere der abschließende Hinweis, dass die Naht mit dem Daumenloch nicht an die Ärmelnaht anschließt, sondern etwas daneben sitzen muss, damit der Ärmel nicht verdreht wird, wenn man den Daumen durchs Loch steckt, klingt logisch, war aber für mich essentiell!)
  • Reißverschluss mit Windschutz: Den Reißverschluss wollte ich gerne mit einem Wind- und eigentlich auch Kinnschutz versehen (damit der Reißverschluss nicht am Kinn reibt, wenn er ganz hochgezogen ist), doch dazu unten mehr…

Über viele Details habe ich mir ausgiebig Gedanken gemacht, denn bei so einem Projekt möchte man natürlich keine dummen Fehler machen. Und trotzdem passiert es dann. Aber vielleicht kann ich mit meinen Denkfehlern ja andere vor ähnlichen „fails“ bewahren…

Vermeidbare Fehler

  • Musterverlauf beachten: Ja, ich weiß. Es ist total basic. Und ich habe natürlich dran gedacht, als ich Vorder- und Rückenteil, den Windschutz und die Ärmel zugeschnitten habe. Und dann blieb ein Stoffstreifen stehen, der längs gefaltet genau für die Kapuze passte. Also habe ich den Stoff mit dem Fadenlauf gefaltet und die Kapuze in doppelter Stofflage zugeschnitten. Nun regnet es auf einer Seite der Kapuze herab, auf der anderen aber hinauf. Da das aber im zurückgeklappten Zustand wirklich nicht auffällt, habe ich nach Bemerken des Fehlers beschlossen, es so zu lassen.
  • Taschenschlitz ansetzen: Auch hierüber habe ich mir Gedanken gemacht und mich anhand einer existierenden Jacke mit ähnlichen Taschen vergewissert, keinen Denkfehler zu machen, nur um dann beim Annähen den rechten und linken Taschenbeutel zu vertauschen und so doch den Taschenschlitz in der falschen Diagonale zu nähen.
    Dieser Fehler zog dann wiederum gleich einen zweiten, total ärgerlichen Fehler nach sich, denn es mussten ja ein neues Vorderteil und neue Taschenbeutel her. Zum Glück hatte ich noch genug Stoff! Der lag nun dummerweise so, dass mir eine existierende gerade Kante gelegen kam, um die Reißverschlusskante des Schnittteils daran anzulegen – ohne auf die Musterrichtung zu achten! Und ratet mal, wann mir das auffiel!? Als beide Vorderteile mit Reißverschlusstaschen fertig nebeneinander vor mir lagen! Also noch einmal ein Vorderteil und Taschenbeutel zuschneiden (und dabei meine großzügige Stoffkalkulation preisen)! Das linke Vorderteil ist also erst im dritten Anlauf wirklich geglückt…
  • Taschenhöhe korrigieren: Diesen Punkt habe ich schlicht nicht bedacht und die Reißverschlusstaschen auf der im Originalschnittmuster vorgesehenen Höhe (mittig zur Taille) platziert. Das mag zwar für eine Hoodie-Jacke passen, ist aber im Grunde für eine Outdoor-Jacke, bei der man bei ungemütlichem Wetter auch mal seine Hände in der Tasche vergraben möchte, zu hoch angesetzt. Mit diesem Fehler muss ich nun wohl leben.
  • Kinnschutz abrunden: Hier hat mich mein räumliches Vorstellungsvermögen im Stich gelassen und ich habe nach dem Anklammern und Umknicken an der Kapuze schlicht die falsche Rundung angezeichnet, sodass eine Befestigung an der Innenseite des Vorderteils nicht mehr möglich war. Die schmerzliche, aber einzige Lösung dafür war, den Windschutz doch ohne Kinnschutz zu akzeptieren und ihn oben kurzerhand abzuschneiden. Wer nicht aufpasst, muss eben mit ungeschütztem Kinn durchs Leben gehen!
  • Druckknöpfe am Windschutz platzieren: Ich wollte die Druckknöpfe am Windschutz bewusst anbringen, bevor ich den Windschutz und den Reißverschluss einnähe, damit sie unsichtbar nur in der unteren Stofflage säßen. Bei der Platzierung unterlief mir dann allerdings der nächste Denkfehler: Ich setzte die Druckknöpfe schön mittig auf die Unterseite – ohne zu bedenken, dass sie dann auf der Gegenseite nur knapp neben den Reißverschluss und damit auf die Naht träfen, mit der ich ein Webband zum Verstecken der offenen Reißverschluss-Kante aufgenäht hatte. Es stellte sich also die Frage: „Wie bekomme ich die Druckknöpfe aus dem rundherum verschlossenen und angenähten Windschutz möglichst ohne Schaden am Stoff heraus?“. Ich habe es gewagt, die Druckknöpfe vorsichtig mit einer spitzen Zange zu lösen und die Zackenringe dann durch ein Stück aufgetrennte Naht unten herausgefummelt. Da ich durch diesen Spalt natürlich keine Druckknöpfe neu anbringen konnte, habe ich mich notgedrungen doch für von außen sichtbare Kam Snaps entschieden, die jetzt weit genug außen sitzen. Die kleinen Spuren, die die Druckknöpfe im Stoff hinterlassen haben, sind zum Glück einerseits unsichtbar auf der Innenseite des Windschutzes und ziehen sich andererseits vielleicht auch beim ersten Waschen wieder etwas zusammen.

Trotz dieser Pannen und Rückschläge bin ich aber mit dem Gesamtergebnis zufrieden und auf einige Details auch ein bisschen stolz (wie die Bilder unten zeigen). Nun freue ich mich vor allem auf den Praxistest im Urlaub!

Was als „schnelles“ Stoffreste-Verwertungs-Shirt begann wurde die Geschichte einer Serie von Nähfehlern: Wie ich versuchte, einen verunglückten Halsausschnitt zu retten und dabei alles schlimmer machte.

 

Die Chronologie des Versagens:

  1. Halsbündchen beim Annähen nicht genug dehnen
  2. die Mühe des Auftrennens scheuen
  3. die Schnapsidee ausbrüten, mit einer Knopfleiste den Ausschnitt zusammenziehen zu können
  4. entgegen allen Empfehlungen die Knopfleiste nicht zunächst an einem Probestück nähen
  5. bei dieser Premiere auch noch eigene „Variationen“ hinzuerfinden
  6. Anleitung missverstehen
  7. völlig missglücktes Nähgut erhalten

Nach dieser Serie von Pannen und Fehlern war das Shirt (übrigens nach diesem Schnitt) eigentlich ruiniert, es einfach wegzuschmeißen brachte ich aber trotzdem nicht übers Herz. In einem letzten Rettungsversuch kam mir so die Idee, den Ausschnitt auch unten noch einzufassen und mit einem Knebelverschluss nach asiatischem Vorbild zu versehen. Es wurden dann am Ende Satinbänder und KamSnaps.

Das Longsleeve ist nun zwar grundsätzlich tragbar, doch seit langem eines meiner armseligsten Werke.

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