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Portemonnählektionen

Es war an der Zeit, dass ich mich trenne.  Von meinem Portemonnaie. Es hatte seine besten Jahre hinter sich. Was macht die Frau mit Nähmaschine also? Richtig: Sie näht sich selbst ein neues. Beim Schnittmuster habe ich mich für das Portemonnaie aus dem Pattydoo-Buch „Taschenlieblinge selber nähen“ entschieden. Die Innenaufteilung gefiel mir gut und es schien ausreichend Platz für Karten, Geld und sonstigen Kleinkram zu bieten. Außerdem hatte ich in der Pattydoo-Facebook-Gruppe schon viele schöne Exemplare gesehen, die mich dazu animierten, es auch einmal zu probieren, auch wenn gefühlt die Hälfte der Ausführenden dort berichtete, wie sehr sie über die Falten geflucht, mit der Maschine gekämpft und gegen das eigene Unverständnis der Anleitung angenäht haben.

Und ich muss gestehen: Auch ich habe etwas geflucht, einiges aufgetrennt und Lektionen fürs nächste Mal gelernt. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Insbesondere, weil ich mir vorgenommen hatte, besonders genau zu arbeiten, da sich Ungenauigkeiten bei einem solchen Teil sofort rächen. Ich habe also penibel exakt zugeschnitten, Nahtzugaben auf die Schnittmusterteile übertragen und angegebene Maße beim Nähen sorgfältig eingehalten. Das hat sich schon mal ausgezahlt – die Karten passen in die Fächer, es ist nichts krumm und schief und schreit nicht auf den ersten Blick „selbstgenäht“.

Dennoch ist nicht alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass ich einen blöden Anfängerfehler gemacht habe: Wie so oft habe ich nicht die ganze Anleitung vor dem Zuschnitt durchgelesen. Meist erklärt sich der nächste Schritt ja viel besser, wenn man das Werkstück im in der Anleitung beschriebenen Arbeitsstadium vor sich liegen hat… Nun ja, hätte ich die Anleitung mal zu Ende durchdrungen, wäre mir klar geworden, dass das Reißverschluss- und Steckfach aus einem Stück sind. Mein Plan, die beiden Fächer aus unterschiedlichen Stoffarten zu nähen, ging also daneben. Nun sind also beide Fächer von außen grau und von innen rosa (statt eines grau, eines rosa).

Die gleiche Erkenntnis hätte mir den sehr lästigen Fehler erspart, den Reißverschluss falsch in die grauen Stoffteile einzunähen, denn ich habe erst verstanden, wie die beiden Fächer zusammenhängen, nachdem ich ein Täschchen mit grauem Stoff innen und außen fertig hatte. An dieser Stelle ist die Anleitung im Buch nämlich nicht besonders eindeutig: Die Schnittmusterteile sind in der Übersicht nur als Trenn-/Reißverschlussfach benannt, in der Anleitung ist dann von Innen- und Außentasche die Rede – das könnte klarer formuliert sein. Die ergänzenden bebilderten Anleitungen, die andere User schon in der Facebook-Gruppe gepostet hatten, habe ich natürlich erst entdeckt, als es schon zu spät war.

Überraschend gut hat hingegen das Stecken und Nähen der Ziehharmonika-Falten außen geklappt. Mit einem gefalteten Stoffstück unter dem Nähfuß für den Nahtbeginn und dem Reißverschlussfuß ging das problemlos. Auch hierbei hat mir allerdings der Hinweis aus der Community geholfen, nicht erst alle Falten zu stecken und dann zu nähen, sondern jeweils nacheinander zu stecken und zu nähen, weil man so den übrigen Stoff besser aus dem Weg biegen kann.

Nun habe ich also ein geräumiges neues Portemonnaie, das sich ab heute im Alltag bewähren darf.

Verwendete Materialien:

Erste Male: Probenähen für ein neues Schnittmuster

Wenn man sich in der (bloggenden) Nähszene umschaut, begegnet man regelmäßig Aufrufen zum oder Berichte übers Probenähen eines neuen Schnittmusters. Für die Ersteller der Schnittmuster ist das die Möglichkeit, Passform, Verständlichkeit der Anleitung und Ähnliches im Vorfeld der Veröffentlichung zu testen. Die teilnehmenden Schneiderlein bekommen im Gegenzug ein noch unveröffentlichtes Schnittmuster kostenlos vorab, verpflichten sich aber im Gegenzug, an einer gewissen Anzahl Proberunden teilzunehmen und Feedback zu geben sowie Bilder zur Veröffentlichung zu liefern.

Im vergangenen Herbst habe ich mich für ein solches Probenähen gemeldet, bei dem ein Bausatz für simple Herrenshirts getestet werden sollte. Männer sind ja eine chronisch schwierige Klientel, wenn es darum geht, sie zu benähen. Viele Stoffe scheiden aus, weil sie zu kindisch, feminin, albern sind. Und bei den möglichen Schnittmustern sieht es ähnlich aus – die Varianz bei T-Shirts, Hoodies oder Pullovern ist bei Herren nun einmal begrenzt.

Super-Basics für Herren von Muhküfchen

Den Schnitt von Ines von Muhküfchen fand ich deshalb interessant, weil er immerhin eine ungewöhnliche Idee für die Ärmel beinhaltet: Das Schnittmuster ist ein frei kombinierbarer Baukasten, bei dem man beispielsweise das Vorderteil mit Raglanärmeln (also schräg angesetzten) und das Rückenteil mit normalen Ärmeln nähen kann. Außerdem gibt es eine Langarm- und eine Kurzarm-Variante.

Im Rahmen des Probenähens habe ich insgesamt drei Shirts genäht und mich dabei auch gleichzeitig zum ersten Mal an einem V-Ausschnitt probiert. Der erwies sich in diesem Fall dann auch prompt als zu tief, sodass das Ergebnis eher ein „daheimrum“-Shirt ist. Außerdem scheint das von mir benähte Exemplar Mann eher kantige Schultern zu haben, an denen Raglan-Ärmel merkwürdige Falten werfen.

Ich habe für einen Mann mit 1,91 m Körpergröße und 100 cm Brustumfang Größe M genäht, was der Größentabelle entspricht und gut auskam. Mehr Fotos vom Probenähen mit anderen Größen, Ärmel- und Farbkombinationen findet ihr auf der Facebook-Seite von Muhküfchen und das Schnittmuster als E-Book gibt es hier.

kakakiri-Ballettröcke in Szene gesetzt

„Gibt es eigentlich auch Tragefotos von deinen Röcken“, wurde ich schon hier und da gefragt. „Ja, schon. Aber…“ musste ich dann bislang sagen, denn mich selbst wollte ich nicht unbedingt als öffenliches Model heranziehen. Und andere Kunden und Mittänzer dafür ebenso wenig „verhaften“.

Nun ergab sich aber eine Gelegenheit, einige meiner Ballettröcke mit einer Ballerina schön in Szene zu setzen: Yume Okano ist Tänzerin beim NRW-Juniorballett und trainiert regelmäßig mit uns Hobby-Tänzern bei den Open Classes des Ballett Dortmund. Sie hat sich netterweise gleich bereiterklärt, mit meinen Röcken zu posieren und sie ins rechte Licht zu setzen.

Übrigens: Meine Röcke gibt es in verschiedenen Weiten und Längen – sie passen also nicht nur zarten Ballerina-Figuren, sondern auch normalen Frauen.

Neu: jetzt auch bei DaWanda

kakakiri auf DaWanda

kakakiri jetzt auch bei DaWanda

Vor gut einem Jahr habe ich mein kleines Experiment gestartet und begonnen, handgenähte Ballettröcke über Etsy zu verkaufen. Der Zuspruch wuchs in den folgenden Monaten stetig, sodass ich mich inzwischen gut organisieren muss, um neben meinem Fulltime-Job noch Nachschub für den Shop und Spezialanfertigungen herzustellen und weitere Kooperationen (dazu in Kürze mehr!) einzugehen.

Etsy als internationale Seite bescherte mir Kunden aus Japan, Australien, den USA und anderen Ländern. Wer aber hierzulande nach selbstgemachten, individuellen Teilen sucht, schaut wohl zuerst bei DaWanda. Daher habe ich mich entschlossen, auch dort einen Shop zu eröffnen. Ab sofort findet ihr also meine Ballettröcke und Accessoires auch hier:

kakakiri auf DaWanda

 Ein Blick in den Shop

Mellie von Pattydoo: das Schnittmuster beim Wickel gepackt

Als damals in der Schule beim Berufseignungstest herauskam, dass ich eigentlich alles machen könnte, außer vielleicht Architekt oder Chirurg zu werden, fand ich dieses Urteil über mein räumliches Vorstellungsvermögen ungerecht. Ich habe den Rat dann zwar dennoch befolgt, wenn auch wohl nicht aufgrund dieses Tests…

Was das mit dem Schnittmuster zu tun hat, über das ich hier schreiben möchte? Nun ja, das Shirt „Mellie“ von Pattydoo hat mein räumliches Vorstellungsvermögen ordentlich auf die Probe gestellt: Es hat als besonderen Gimmick zwei überkreuzte Wickelteile vorne. Ich hatte im Pattydoo-Nähforum bei Facebook zwar schon verschiedentlich von Schwierigkeiten mit den Wickeln gelesen, aber erst nachfühlen können, woran es hakte, als ich mich selbst daran versuchte.

Dabei muss man wissen, dass die Pattydoo-Schnittmuster alle mit ausführlichen Videoanleitungen kommen, sodass man meinen sollte, dass etwaige Probleme damit lösbar sind. Aber mich hat ein Clou des Shirts dann doch schier zur Verzweiflung getrieben: Die Nähte, die Ärmel, Wickel und Vorderteil miteinander verbinden, sind nämlich nicht einfach Overlocknähte, die am Ende im Innern des Shirt liegen wie sonst üblich, sondern sie sollen mit der Nähmaschine genäht werden – und zwar so, dass die offenen Nahtkanten am Ende zwischen Vorderteil und Wickel versteckt sind.

Die entsprechende Stelle im Video habe ich wohl an die zehn Mal angeschaut, und immer scheiterte ich schon daran, nachzuvollziehen, wie die Teile des Shirts nun idealerweise vor mir auf dem Tisch angeordnet sein sollten. Nachdem ich eine Naht zum zweiten Mal aufgetrennt hatte, habe ich das Schwarmwissen der Facebook-Gruppe angerufen und dort auch einige Hinweise bekommen – allerdings nicht die ultimative Erklärung. Die habe ich schließlich selbst gefunden: Mit dem Abstand einiger Stunden habe ich das Video noch einmal angeschaut und hatte plötzlich eine Erkenntnis, die ich versuchen möchte hier zu erklären, denn vielleicht hapert es ja auch bei anderen an genau dieser Stelle.

Versuch einer Erklärung

Um den Ärmel sauber am Wickelteil zu fixieren, macht man eine ca. 3 cm lange Hilfsnaht. Dazu muss man zunächst den Wickel nach oben und dann von der Kante nach innen schlagen. Nachdem man die kurze Naht gesetzt hat, soll man den Ärmel über die gesamte Länge an den Wickel klammern und laut Video das Oberteil darüberschlagen. Doch genau hier ist der Haken! Was man im Video nämlich nicht sieht, ist, wie Ärmel und Wickel genau liegen müssen, bevor man das Oberteil hochklappt. Die Lösung bestand in meinem Fall darin, das Oberteil nicht über die drei Lagen des Wickels und des Ärmels zu schlagen, sondern darunter! Anders gesagt: Man muss alle Teile wieder so legen, wie es im Video gezeigt wird, bevor man die Hilfsnaht macht – also Wickel nach oben gelegt, Kante von Wickel und Vorderteil zur Mitte geklappt und Ärmel bündig auf dem Wickel. Es kommt also schließlich die linke Stoffseite des Vorderteils auf die linke Seite des Ärmels zu liegen. Hat man das einmal verstanden, läuft der Rest von ganz alleine.

Natürlich habe ich mich so über meinen Geistesblitz gefreut, dass ich versäumt habe, detaillierte Fotos von der Problemlösung zu machen. Es wird aber sicher nicht das letzte Shirt dieser Art bleiben, denn das Ergebnis gefällt mir ausgesprochen gut, und jetzt, wo ich den Trick einmal verstanden habe, sollte es beim nächsten Mal ja auch direkt funktionieren.

Shirt Mellie Pattydoo kakakiri

Spitzenmäßiges Upcycling: Vom Spitzenschuh zum Federmäppchen

Spitzenschuh-Friedhöfe sind bei Hobbytänzern keine Seltenheit: Weil man sich von den Foltergeräten nicht trennen kann, werden sie in Kisten, Regalfächern oder Zimmerecken gehortet – das Stockholm-Syndrom der Ballettwelt. Auch bei mir lagen noch zwei Paar „tote“ Spitzenschuhe, die wegzuschmeißen ich bislang nicht übers Herz brachte.

Im November hatte ich mir in London neue Schuhe gekauft – zum ersten Mal nicht von Gaynor Minden, sondern von Bloch. Ich wollte wenigstens probiert haben, ob es eine Alternative zu den (ebenfalls schmerzhaften) Gaynors gibt. Als ich nun nach nur drei Stunden in diesen neuen Schuhen beschloss, sie als Fehlinvestition abzuschreiben, überlegte ich, was ich mit den fast neuen Schuhen anfangen könnte. Sie gebraucht zu verkaufen schien mir – zumal angesichts meiner Schuhgröße (43) – ziemlich aussichtslos. Da erinnerte ich mich hieran:

Ein Beitrag geteilt von Katharina Kierig (@kakakiri) am

Diese Idee wollte ich wiederbeleben. So habe ich die kaum getragenen Spitzenschuhe und ein anderes abgelegtes Paar kurzerhand zu Täschchen mit Reißverschluss umfunktioniert, in denen man Stifte, Kosmetikartikel, Haarutensilien oder Spitzenschuh-Accessoires unterbringen könnte.

Die dafür benötigten Materialien (ein wenig zartrosa Spitze, weißer Baumwollstoff als Unterlage und einige bunte Reißverschlüsse) hatte ich noch im Vorrat, und die Reißverschluss-Einsätze waren schnell genäht. Das Einnähen in die Schuhe wiederum war um einiges pfriemeliger, denn die steifen Spitzenschuhe lassen sich nicht so unter die Nähmaschine zwängen, dass man einmal ringsherum nähen könnte. Daher habe ich nur die beiden Längsseiten jeweils mit der Maschine angenäht und musste entlang der Ferse und der vorderen Rundung von Hand sticheln. Bei einem Schuh habe ich das gleich mit ein wenig Paillettendeko kombiniert, aber meiner Instagram-Bubble gefiel die neutrale Variante besser:

Spitzenschuh instastory bedazzled clean täschchen

Übrigens

Diese vier Exemplare stehen nun in meinem Etsy-Shop zum Verkauf. Wer seinen eigenen Spitzenschuhen auf diese Art ein neues Leben schenken möchte, kann mich gerne kontaktieren.

Ballettröcke in Serie: Traumtänzer eingekleidet von kakakiri

Als ich im Frühjahr anfing, Ballettröcke selbst zu nähen und zu verkaufen, war das eine Idee, die ich ausprobieren wollte, ohne mir viel davon zu versprechen. Mir war klar, dass das ohne große Werbeaktivitäten neben einem Vollzeitjob höchstens eine Liebhaberei werden würde. Umso überraschter bin ich nun am Ende dieses Jahres über die Nachfrage und den Zuspruch für meine Ballettröcke. Neben etlichen Verkäufen über Etsy und vielen im direkten Umfeld unter meinen Mittänzern, hatte ich vor ein paar Wochen die Gelegenheit, eine ganze Ballettklasse mit einheitlichen Röcken auszustatten.

An vielen Ballettschulen ist es üblich, dass die Kinder einheitliche Kleidung tragen. Je nachdem, welcher Lehre die Schule folgt, kann das entweder eine selbst „verordnete“ Uniform sein oder beispielsweise den Regularien der Royal Academy of Dance folgen. Die Ballettschule Traumtänzer in Dortmund hat nun für ihre Teeniemädchen Trikots in königsblau vorgegeben und mich gefragt, ob ich dazu einheitliche, aber individuell gestaltete Röcke nähen wollte. Und natürlich wollte ich!

Gemeinsam haben wir einen Stoff mit Seerosen-Print in hellblau und königsblau ausgesucht und ich habe daraus acht identische Röcke gefertigt, die man nicht von der Stange kaufen kann.

Ballettröcke kakakiri Seerosen

5 m Stoff für Ballettröcke à la kakakiri

Ballettröcke kakakiri Seerosen

die fertige Kollektion

Und mal ehrlich: Passen die farblich nicht wie die Faust aufs Auge?

Hard Facts zu einer Softshell-Jacke

oder: Wie ich mich bei einem Nähprojekt gleich mehrfach selbst austrickste

Ich gebe es zu: Mir ist kein Vorwand zu billig, wenn es darum geht, einen Anlass zum Nähen zu finden. Aber mal ehrlich: ein Urlaub in Norwegen ruft doch geradezu nach einer Softshell-Jacke, oder? Im August kann es dort mit etwas Glück zwar noch ganz angenehm temperiert sein, doch viel wahrscheinlicher ist es, dass man auch mal von einem Schauer erwischt wird. Und so ein leichtes, nicht allzu warmes, aber wasserabweisendes Jäckchen fehlte mir noch im Schrank.

Also habe ich nach geeigneten Schnittmustern Ausschau gehalten. Etwas 100 prozentig Passendes habe ich fertig nicht gefunden, also musste ich mir selbst einen Schnitt „ausdenken“. Als Basis diente mir die „Lady Bella“ von mialuna. Um den Schnitt von einer Hoodie-Jacke für meine Bedürfnisse anzupassen, musste ich aber ein paar Änderungen vornehmen:

  • Kapuze: Hier habe ich die von mialuna als Freebie-Ergänzung angebotene hochgezogene Variante gewählt und sie auch mit einer Kordel versehen.
  • Passe: Da ich einen Softshell-Stoff mit Muster verwendet habe, und ich das nicht gerne unnötig unterbrechen wollte, habe ich auf die Passe am Vorderteil verzichtet.
  • Taschen: Statt der Eingrifftaschen habe ich Reißverschluss-Taschen genäht. Die Form des Taschenbeutels habe ich dabei beibehalten und bei der Frage nach dem „Wie“ hat mir dieses Tutorial von pattydoo geholfen.
  • Saumbündchen: Die habe ich weggelassen und dafür die Jacke nach unten entsprechend verlängert. Darüberhinaus habe ich das Rückenteil in der Mitte noch weiter verlängert und nach außen hin abgerundet.
  • Ärmelbündchen: Hier verlangte die Frostbeule in mir nach Daumenloch-Bündchen, die ich nach diesem Tutorial genäht habe. (Insbesondere der abschließende Hinweis, dass die Naht mit dem Daumenloch nicht an die Ärmelnaht anschließt, sondern etwas daneben sitzen muss, damit der Ärmel nicht verdreht wird, wenn man den Daumen durchs Loch steckt, klingt logisch, war aber für mich essentiell!)
  • Reißverschluss mit Windschutz: Den Reißverschluss wollte ich gerne mit einem Wind- und eigentlich auch Kinnschutz versehen (damit der Reißverschluss nicht am Kinn reibt, wenn er ganz hochgezogen ist), doch dazu unten mehr…

Über viele Details habe ich mir ausgiebig Gedanken gemacht, denn bei so einem Projekt möchte man natürlich keine dummen Fehler machen. Und trotzdem passiert es dann. Aber vielleicht kann ich mit meinen Denkfehlern ja andere vor ähnlichen „fails“ bewahren…

Vermeidbare Fehler

  • Musterverlauf beachten: Ja, ich weiß. Es ist total basic. Und ich habe natürlich dran gedacht, als ich Vorder- und Rückenteil, den Windschutz und die Ärmel zugeschnitten habe. Und dann blieb ein Stoffstreifen stehen, der längs gefaltet genau für die Kapuze passte. Also habe ich den Stoff mit dem Fadenlauf gefaltet und die Kapuze in doppelter Stofflage zugeschnitten. Nun regnet es auf einer Seite der Kapuze herab, auf der anderen aber hinauf. Da das aber im zurückgeklappten Zustand wirklich nicht auffällt, habe ich nach Bemerken des Fehlers beschlossen, es so zu lassen.
  • Taschenschlitz ansetzen: Auch hierüber habe ich mir Gedanken gemacht und mich anhand einer existierenden Jacke mit ähnlichen Taschen vergewissert, keinen Denkfehler zu machen, nur um dann beim Annähen den rechten und linken Taschenbeutel zu vertauschen und so doch den Taschenschlitz in der falschen Diagonale zu nähen.
    Dieser Fehler zog dann wiederum gleich einen zweiten, total ärgerlichen Fehler nach sich, denn es mussten ja ein neues Vorderteil und neue Taschenbeutel her. Zum Glück hatte ich noch genug Stoff! Der lag nun dummerweise so, dass mir eine existierende gerade Kante gelegen kam, um die Reißverschlusskante des Schnittteils daran anzulegen – ohne auf die Musterrichtung zu achten! Und ratet mal, wann mir das auffiel!? Als beide Vorderteile mit Reißverschlusstaschen fertig nebeneinander vor mir lagen! Also noch einmal ein Vorderteil und Taschenbeutel zuschneiden (und dabei meine großzügige Stoffkalkulation preisen)! Das linke Vorderteil ist also erst im dritten Anlauf wirklich geglückt…
  • Taschenhöhe korrigieren: Diesen Punkt habe ich schlicht nicht bedacht und die Reißverschlusstaschen auf der im Originalschnittmuster vorgesehenen Höhe (mittig zur Taille) platziert. Das mag zwar für eine Hoodie-Jacke passen, ist aber im Grunde für eine Outdoor-Jacke, bei der man bei ungemütlichem Wetter auch mal seine Hände in der Tasche vergraben möchte, zu hoch angesetzt. Mit diesem Fehler muss ich nun wohl leben.
  • Kinnschutz abrunden: Hier hat mich mein räumliches Vorstellungsvermögen im Stich gelassen und ich habe nach dem Anklammern und Umknicken an der Kapuze schlicht die falsche Rundung angezeichnet, sodass eine Befestigung an der Innenseite des Vorderteils nicht mehr möglich war. Die schmerzliche, aber einzige Lösung dafür war, den Windschutz doch ohne Kinnschutz zu akzeptieren und ihn oben kurzerhand abzuschneiden. Wer nicht aufpasst, muss eben mit ungeschütztem Kinn durchs Leben gehen!
  • Druckknöpfe am Windschutz platzieren: Ich wollte die Druckknöpfe am Windschutz bewusst anbringen, bevor ich den Windschutz und den Reißverschluss einnähe, damit sie unsichtbar nur in der unteren Stofflage säßen. Bei der Platzierung unterlief mir dann allerdings der nächste Denkfehler: Ich setzte die Druckknöpfe schön mittig auf die Unterseite – ohne zu bedenken, dass sie dann auf der Gegenseite nur knapp neben den Reißverschluss und damit auf die Naht träfen, mit der ich ein Webband zum Verstecken der offenen Reißverschluss-Kante aufgenäht hatte. Es stellte sich also die Frage: „Wie bekomme ich die Druckknöpfe aus dem rundherum verschlossenen und angenähten Windschutz möglichst ohne Schaden am Stoff heraus?“. Ich habe es gewagt, die Druckknöpfe vorsichtig mit einer spitzen Zange zu lösen und die Zackenringe dann durch ein Stück aufgetrennte Naht unten herausgefummelt. Da ich durch diesen Spalt natürlich keine Druckknöpfe neu anbringen konnte, habe ich mich notgedrungen doch für von außen sichtbare Kam Snaps entschieden, die jetzt weit genug außen sitzen. Die kleinen Spuren, die die Druckknöpfe im Stoff hinterlassen haben, sind zum Glück einerseits unsichtbar auf der Innenseite des Windschutzes und ziehen sich andererseits vielleicht auch beim ersten Waschen wieder etwas zusammen.

Trotz dieser Pannen und Rückschläge bin ich aber mit dem Gesamtergebnis zufrieden und auf einige Details auch ein bisschen stolz (wie die Bilder unten zeigen). Nun freue ich mich vor allem auf den Praxistest im Urlaub!

Nähen nach Schnittmustern der Sowjetunion

Wenn Freunde wissen, dass man näht, kommt man hin und wieder zu überraschenden Geschenken – beispielsweise einem Überraschungstütchen aus einem Berliner (Hipster-)Laden für Selbstgemachtes und Selbermacher. Oder einem Modeheft mit Schnittmustern aus der Sowjetunion von 1970.

Das hat Katrin bei ihrem letzten Besuch in Kiew in einem Vintage-Laden entdeckt und im Zuge eines Spargelessens nach Dortmund mitgebracht. Nun ist „Rigas Modes“ für mich zunächst ein Bilderbuch, da die Texte darin auf Russisch sind. Und der erste optische Eindruck ist mindestens so überraschend wie das Geschenk selbst: Es ist keineswegs alles Kittelschürzen-Mode à la Babuschka, sondern einige der Schnittmuster könnte man heute ohne Weiteres verwenden. Zum Beispiel das für den Mantel mit halbrunden Teilungsnähten.

Weitere interessante Feststellungen beim Durchblättern und Entziffern:

  • Auch in der Sowjetunion hatten Stoffballen offenbar eine Standardbreite von 1,40 m
  • für welche Größe die Schnittmuster und der Stoffverbrauch angegeben sind, variiert (nach nicht ersichtlichen Kriterien): Während die Skizzen alle schlanke junge Frauen zeigen, beziehen sich die Angaben für den lila Mantel auf eine (russische) Größe 52, was immerhin einer europäischen Größe 46 entspricht, das A-Linien-Kleid hingegen ist in (russischer) Größe 46 (also Gr. 40 hierzulande) angegeben.
  • man bräuchte viel Geduld, um die Schnittmuster anhand der angegebenen Maße zu übertragen und einige Erfahrung, um sie auch auf andere Größen anzupassen.

Nählatein für Fortgeschrittene

Aber wäre es nicht auch interessant zu wissen, was die Begleittexte zu den Schnitten besagen? Zum Glück kann die Quelle des Geschenks auch hier aushelfen und war so nett eine Übersetzung der ersten Seite zu organisieren. Dort lernen wir, wie praktisch es für 20-jährige Studentinnen ist, wenn sie aus wenigen Kleidungsstücken sieben verschiedene Outfits kreieren können:

Dafür muss man nur zwei Kleidungssätze besitzen: erstens – einen schräg-karierten Rock und eine Weste, und zweitens – einen weißen Faltenrock und eine ärmellöse Tunika, sowie als Ergänzung dazu einen feinen z. B. schwarzen, blauen oder braunen Pullover, zwei Blusen, kariert und einfarbig, am besten in Weiß, einen langen Seidenschal, ein gemustertes Tuch (als Halstuch) und einen einfarbigen Wollschal für die Herbsttage.

Es folgen einige Hinweise zu nützlichen Accessoires, mit denen man das Ganze „pimpen“ könnte und dann eine Beschreibung der Arbeitsschritte: Hals- und Armausschnitte der Weste mit Besätzen versäubern, […], Falte in die Tasche bügeln, eine Blende anstürzen und auf der Tasche absteppen, für die Bluse eine Falte in die Passe der Vorderseite legen und absteppen…

Rigas Modes 1970 Schnittmuster Sowjetunion

Unmittelbare Erkenntnis: Wie verwöhnt ich doch von unseren heutigen Schnittmuster-Anleitungen bin! Wo jeder entscheidende Schritt in E-Books bebildert wird und die häufig auch als YouTube-Tutorials zur Verfügung gestellt werden. Dieses Heft richtet sich wohl nicht an Anfänger!

Wenn ich aber doch einmal übermütig werden sollte, würde ich mir die Seite 12 übersetzen lassen und den Mantel mit der verdeckten Knopfleiste nähen. Direkt nachdem ich gelernt habe, wie man Schnittmuster gradiert.

Ella für Elfen: Kleid zu verschenken

Manchmal muss man auf die harte Tour lernen: Kaum ein Tutorial, Forum oder Nähblog, der nicht ausdrücklich darauf hinweist, dass man vor dem Zuschnitt in einer bestimmten Größe die Maßtabelle des Schnittmusters studieren soll. Kaufgrößen und „Nähgrößen“ können sich nämlich bisweilen deutlich unterscheiden. Außerdem hat man natürlich beim Selbernähen die Möglichkeit, Größen zu kombinieren (beispielsweise oben eine 38, an der Hüfte eine 40). Da ich im Normalfall mit einer Größe 38 bei pattydoo-Schnittmustern gut gefahren bin, hatte ich auch das Schnittmuster für das Kleid Ella in der Größe ausgeschnitten. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Seit langem lag ein Trigema-Coupon in meinem Stoffvorrat – genau die richtige Menge für ein Sommerkleid mit amerikanischem Ausschnitt und kurzen Ärmeln. Ein solches Kleid gibt es nun auch, jedoch nicht für mich. Denn nachdem Ober- und Unterteil verbunden waren und die Schneiderin zur Anprobe hineinschlüpfen wollte, zeigte sich die Fehlentscheidung, das Schnittmuster auf gut Glück in Größe 38 zu nähen: Schon an den Schultern war Ende – keine Chance, das Kleid überhaupt ganz überzustreifen.

Ein Blick in die Größentabelle ergab: Tatsächlich wäre wohl die Größe E passender gewesen, wobei das zu klein geratene Kleid auch der zierlichen Kollegin, der ich es hätte vererben können, nicht passte. Vielleicht ist also beim Nähen noch mehr schief gelaufen…

Doch des einen Leid könnte des anderen Freud sein: Bevor dieses Kleid nun in den Altkleider-Container wandert, freue ich mich, wenn es hier einen Abnehmer findet. Wer passt rein und gibt diesem Kleid aus violetter Baumwolle mit gelben Bündchen ein Zuhause? Dies sind die Endmaße des Kleids:

Schulterbreite 32 cm
Brustumfang 78 cm
Taillenumfang 70 cm
Gesamtlänge 84 cm

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