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Kategorie: Nähen (Seite 1 von 3)

Hard Facts zu einer Softshell-Jacke

oder: Wie ich mich bei einem Nähprojekt gleich mehrfach selbst austrickste

Ich gebe es zu: Mir ist kein Vorwand zu billig, wenn es darum geht, einen Anlass zum Nähen zu finden. Aber mal ehrlich: ein Urlaub in Norwegen ruft doch geradezu nach einer Softshell-Jacke, oder? Im August kann es dort mit etwas Glück zwar noch ganz angenehm temperiert sein, doch viel wahrscheinlicher ist es, dass man auch mal von einem Schauer erwischt wird. Und so ein leichtes, nicht allzu warmes, aber wasserabweisendes Jäckchen fehlte mir noch im Schrank.

Also habe ich nach geeigneten Schnittmustern Ausschau gehalten. Etwas 100 prozentig Passendes habe ich fertig nicht gefunden, also musste ich mir selbst einen Schnitt „ausdenken“. Als Basis diente mir die „Lady Bella“ von mialuna. Um den Schnitt von einer Hoodie-Jacke für meine Bedürfnisse anzupassen, musste ich aber ein paar Änderungen vornehmen:

  • Kapuze: Hier habe ich die von mialuna als Freebie-Ergänzung angebotene hochgezogene Variante gewählt und sie auch mit einer Kordel versehen.
  • Passe: Da ich einen Softshell-Stoff mit Muster verwendet habe, und ich das nicht gerne unnötig unterbrechen wollte, habe ich auf die Passe am Vorderteil verzichtet.
  • Taschen: Statt der Eingrifftaschen habe ich Reißverschluss-Taschen genäht. Die Form des Taschenbeutels habe ich dabei beibehalten und bei der Frage nach dem „Wie“ hat mir dieses Tutorial von pattydoo geholfen.
  • Saumbündchen: Die habe ich weggelassen und dafür die Jacke nach unten entsprechend verlängert. Darüberhinaus habe ich das Rückenteil in der Mitte noch weiter verlängert und nach außen hin abgerundet.
  • Ärmelbündchen: Hier verlangte die Frostbeule in mir nach Daumenloch-Bündchen, die ich nach diesem Tutorial genäht habe. (Insbesondere der abschließende Hinweis, dass die Naht mit dem Daumenloch nicht an die Ärmelnaht anschließt, sondern etwas daneben sitzen muss, damit der Ärmel nicht verdreht wird, wenn man den Daumen durchs Loch steckt, klingt logisch, war aber für mich essentiell!)
  • Reißverschluss mit Windschutz: Den Reißverschluss wollte ich gerne mit einem Wind- und eigentlich auch Kinnschutz versehen (damit der Reißverschluss nicht am Kinn reibt, wenn er ganz hochgezogen ist), doch dazu unten mehr…

Über viele Details habe ich mir ausgiebig Gedanken gemacht, denn bei so einem Projekt möchte man natürlich keine dummen Fehler machen. Und trotzdem passiert es dann. Aber vielleicht kann ich mit meinen Denkfehlern ja andere vor ähnlichen „fails“ bewahren…

Vermeidbare Fehler

  • Musterverlauf beachten: Ja, ich weiß. Es ist total basic. Und ich habe natürlich dran gedacht, als ich Vorder- und Rückenteil, den Windschutz und die Ärmel zugeschnitten habe. Und dann blieb ein Stoffstreifen stehen, der längs gefaltet genau für die Kapuze passte. Also habe ich den Stoff mit dem Fadenlauf gefaltet und die Kapuze in doppelter Stofflage zugeschnitten. Nun regnet es auf einer Seite der Kapuze herab, auf der anderen aber hinauf. Da das aber im zurückgeklappten Zustand wirklich nicht auffällt, habe ich nach Bemerken des Fehlers beschlossen, es so zu lassen.
  • Taschenschlitz ansetzen: Auch hierüber habe ich mir Gedanken gemacht und mich anhand einer existierenden Jacke mit ähnlichen Taschen vergewissert, keinen Denkfehler zu machen, nur um dann beim Annähen den rechten und linken Taschenbeutel zu vertauschen und so doch den Taschenschlitz in der falschen Diagonale zu nähen.
    Dieser Fehler zog dann wiederum gleich einen zweiten, total ärgerlichen Fehler nach sich, denn es mussten ja ein neues Vorderteil und neue Taschenbeutel her. Zum Glück hatte ich noch genug Stoff! Der lag nun dummerweise so, dass mir eine existierende gerade Kante gelegen kam, um die Reißverschlusskante des Schnittteils daran anzulegen – ohne auf die Musterrichtung zu achten! Und ratet mal, wann mir das auffiel!? Als beide Vorderteile mit Reißverschlusstaschen fertig nebeneinander vor mir lagen! Also noch einmal ein Vorderteil und Taschenbeutel zuschneiden (und dabei meine großzügige Stoffkalkulation preisen)! Das linke Vorderteil ist also erst im dritten Anlauf wirklich geglückt…
  • Taschenhöhe korrigieren: Diesen Punkt habe ich schlicht nicht bedacht und die Reißverschlusstaschen auf der im Originalschnittmuster vorgesehenen Höhe (mittig zur Taille) platziert. Das mag zwar für eine Hoodie-Jacke passen, ist aber im Grunde für eine Outdoor-Jacke, bei der man bei ungemütlichem Wetter auch mal seine Hände in der Tasche vergraben möchte, zu hoch angesetzt. Mit diesem Fehler muss ich nun wohl leben.
  • Kinnschutz abrunden: Hier hat mich mein räumliches Vorstellungsvermögen im Stich gelassen und ich habe nach dem Anklammern und Umknicken an der Kapuze schlicht die falsche Rundung angezeichnet, sodass eine Befestigung an der Innenseite des Vorderteils nicht mehr möglich war. Die schmerzliche, aber einzige Lösung dafür war, den Windschutz doch ohne Kinnschutz zu akzeptieren und ihn oben kurzerhand abzuschneiden. Wer nicht aufpasst, muss eben mit ungeschütztem Kinn durchs Leben gehen!
  • Druckknöpfe am Windschutz platzieren: Ich wollte die Druckknöpfe am Windschutz bewusst anbringen, bevor ich den Windschutz und den Reißverschluss einnähe, damit sie unsichtbar nur in der unteren Stofflage säßen. Bei der Platzierung unterlief mir dann allerdings der nächste Denkfehler: Ich setzte die Druckknöpfe schön mittig auf die Unterseite – ohne zu bedenken, dass sie dann auf der Gegenseite nur knapp neben den Reißverschluss und damit auf die Naht träfen, mit der ich ein Webband zum Verstecken der offenen Reißverschluss-Kante aufgenäht hatte. Es stellte sich also die Frage: „Wie bekomme ich die Druckknöpfe aus dem rundherum verschlossenen und angenähten Windschutz möglichst ohne Schaden am Stoff heraus?“. Ich habe es gewagt, die Druckknöpfe vorsichtig mit einer spitzen Zange zu lösen und die Zackenringe dann durch ein Stück aufgetrennte Naht unten herausgefummelt. Da ich durch diesen Spalt natürlich keine Druckknöpfe neu anbringen konnte, habe ich mich notgedrungen doch für von außen sichtbare Kam Snaps entschieden, die jetzt weit genug außen sitzen. Die kleinen Spuren, die die Druckknöpfe im Stoff hinterlassen haben, sind zum Glück einerseits unsichtbar auf der Innenseite des Windschutzes und ziehen sich andererseits vielleicht auch beim ersten Waschen wieder etwas zusammen.

Trotz dieser Pannen und Rückschläge bin ich aber mit dem Gesamtergebnis zufrieden und auf einige Details auch ein bisschen stolz (wie die Bilder unten zeigen). Nun freue ich mich vor allem auf den Praxistest im Urlaub!

Nähen nach Schnittmustern der Sowjetunion

Wenn Freunde wissen, dass man näht, kommt man hin und wieder zu überraschenden Geschenken – beispielsweise einem Überraschungstütchen aus einem Berliner (Hipster-)Laden für Selbstgemachtes und Selbermacher. Oder einem Modeheft mit Schnittmustern aus der Sowjetunion von 1970.

Das hat Katrin bei ihrem letzten Besuch in Kiew in einem Vintage-Laden entdeckt und im Zuge eines Spargelessens nach Dortmund mitgebracht. Nun ist „Rigas Modes“ für mich zunächst ein Bilderbuch, da die Texte darin auf Russisch sind. Und der erste optische Eindruck ist mindestens so überraschend wie das Geschenk selbst: Es ist keineswegs alles Kittelschürzen-Mode à la Babuschka, sondern einige der Schnittmuster könnte man heute ohne Weiteres verwenden. Zum Beispiel das für den Mantel mit halbrunden Teilungsnähten.

Weitere interessante Feststellungen beim Durchblättern und Entziffern:

  • Auch in der Sowjetunion hatten Stoffballen offenbar eine Standardbreite von 1,40 m
  • für welche Größe die Schnittmuster und der Stoffverbrauch angegeben sind, variiert (nach nicht ersichtlichen Kriterien): Während die Skizzen alle schlanke junge Frauen zeigen, beziehen sich die Angaben für den lila Mantel auf eine (russische) Größe 52, was immerhin einer europäischen Größe 46 entspricht, das A-Linien-Kleid hingegen ist in (russischer) Größe 46 (also Gr. 40 hierzulande) angegeben.
  • man bräuchte viel Geduld, um die Schnittmuster anhand der angegebenen Maße zu übertragen und einige Erfahrung, um sie auch auf andere Größen anzupassen.

Nählatein für Fortgeschrittene

Aber wäre es nicht auch interessant zu wissen, was die Begleittexte zu den Schnitten besagen? Zum Glück kann die Quelle des Geschenks auch hier aushelfen und war so nett eine Übersetzung der ersten Seite zu organisieren. Dort lernen wir, wie praktisch es für 20-jährige Studentinnen ist, wenn sie aus wenigen Kleidungsstücken sieben verschiedene Outfits kreieren können:

Dafür muss man nur zwei Kleidungssätze besitzen: erstens – einen schräg-karierten Rock und eine Weste, und zweitens – einen weißen Faltenrock und eine ärmellöse Tunika, sowie als Ergänzung dazu einen feinen z. B. schwarzen, blauen oder braunen Pullover, zwei Blusen, kariert und einfarbig, am besten in Weiß, einen langen Seidenschal, ein gemustertes Tuch (als Halstuch) und einen einfarbigen Wollschal für die Herbsttage.

Es folgen einige Hinweise zu nützlichen Accessoires, mit denen man das Ganze „pimpen“ könnte und dann eine Beschreibung der Arbeitsschritte: Hals- und Armausschnitte der Weste mit Besätzen versäubern, […], Falte in die Tasche bügeln, eine Blende anstürzen und auf der Tasche absteppen, für die Bluse eine Falte in die Passe der Vorderseite legen und absteppen…

Rigas Modes 1970 Schnittmuster Sowjetunion

Unmittelbare Erkenntnis: Wie verwöhnt ich doch von unseren heutigen Schnittmuster-Anleitungen bin! Wo jeder entscheidende Schritt in E-Books bebildert wird und die häufig auch als YouTube-Tutorials zur Verfügung gestellt werden. Dieses Heft richtet sich wohl nicht an Anfänger!

Wenn ich aber doch einmal übermütig werden sollte, würde ich mir die Seite 12 übersetzen lassen und den Mantel mit der verdeckten Knopfleiste nähen. Direkt nachdem ich gelernt habe, wie man Schnittmuster gradiert.

Ella für Elfen: Kleid zu verschenken

Manchmal muss man auf die harte Tour lernen: Kaum ein Tutorial, Forum oder Nähblog, der nicht ausdrücklich darauf hinweist, dass man vor dem Zuschnitt in einer bestimmten Größe die Maßtabelle des Schnittmusters studieren soll. Kaufgrößen und „Nähgrößen“ können sich nämlich bisweilen deutlich unterscheiden. Außerdem hat man natürlich beim Selbernähen die Möglichkeit, Größen zu kombinieren (beispielsweise oben eine 38, an der Hüfte eine 40). Da ich im Normalfall mit einer Größe 38 bei pattydoo-Schnittmustern gut gefahren bin, hatte ich auch das Schnittmuster für das Kleid Ella in der Größe ausgeschnitten. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Seit langem lag ein Trigema-Coupon in meinem Stoffvorrat – genau die richtige Menge für ein Sommerkleid mit amerikanischem Ausschnitt und kurzen Ärmeln. Ein solches Kleid gibt es nun auch, jedoch nicht für mich. Denn nachdem Ober- und Unterteil verbunden waren und die Schneiderin zur Anprobe hineinschlüpfen wollte, zeigte sich die Fehlentscheidung, das Schnittmuster auf gut Glück in Größe 38 zu nähen: Schon an den Schultern war Ende – keine Chance, das Kleid überhaupt ganz überzustreifen.

Ein Blick in die Größentabelle ergab: Tatsächlich wäre wohl die Größe E passender gewesen, wobei das zu klein geratene Kleid auch der zierlichen Kollegin, der ich es hätte vererben können, nicht passte. Vielleicht ist also beim Nähen noch mehr schief gelaufen…

Doch des einen Leid könnte des anderen Freud sein: Bevor dieses Kleid nun in den Altkleider-Container wandert, freue ich mich, wenn es hier einen Abnehmer findet. Wer passt rein und gibt diesem Kleid aus violetter Baumwolle mit gelben Bündchen ein Zuhause? Dies sind die Endmaße des Kleids:

Schulterbreite 32 cm
Brustumfang 78 cm
Taillenumfang 70 cm
Gesamtlänge 84 cm

Elfen, Bohnenstangen und Teenies bitte melden

Neue Idee: Ballettröcke made by kakakiri

Unter Profitänzern gibt es viele, die nebenbei ihre eigene Ballettkleidung entwerfen und verkaufen. Die bekannteste ist wohl Yumiko Takeshima, die mit ihrem Trikot-Label Yumiko inzwischen zur weltweiten Marke geworden ist. Aber auch viele andere Ballerinas haben ein Faible für Stoffe und Nähen: Alice Williamson vom Staatsballett Berlin mit ihren Röcken Designed by AliceJordan Reed (ehemals Houston Ballet), die individuelle Trikots anfertigt, Ashley Ellis vom Boston Ballet, die Stulpen und Warmup-Bekleidung herstellt, oder Tracy Jones vom Colorado Ballet, die mit Tulips by Tracy auch ihr eigenes Rock-Label hat. Diese keineswegs vollständige Liste zeigt nicht nur, dass sich offenbar viele Tänzerinnen auch für Textiles interessieren, sondern dass es wohl auch einen Markt für individuell angefertigte Tanzbekleidung gibt.

Während ich schon versucht habe, Trikots selbst zu nähen und bislang mit den Ergebnissen noch nicht ganz zufrieden war, habe ich einige selbstgenähte Ballettröcke, Warmup-Hosen und Stulpen im Schrank, die regelmäßig zum Einsatz kommen. So entstand nun die Idee, doch einmal im Kleinen zu probieren, ob es nicht auch in meinem Umfeld Interessenten für selbstgenähte Ballettkleidung gibt. Für den Anfang konzentriere ich mich auf Röcke, die leicht in verschiedenen Längen, Mustern und Farbzusammenstellungen zu nähen sind.

Ein kleiner Testballon in Form eines Instagram-Bildes und Tweets brachte gleich positive Reaktionen, sodass der Versuch nun Beine bekommt: Ab sofort findet man mich als kakakiri auch auf Etsy und kann dort die ersten selbstgenähten Röcke in verschiedenen Prints und Längen bestellen. Individuelle Wünsche werden natürlich gerne entgegen genommen.

Ballettröcke kakakiri handgemacht Etsy

 

Kopflose Flamingos oder die Sache mit dem Rapport

Treffen sich zwei Flamingos. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, war in Wahrheit die große Herausforderung meines letzten Nähprojekts. Ganz arglos hatte ich im vergangenen Sommer diesen Doubleface-Stoff mit Glitzerflamingos auf der einen und maritimen Streifen auf der anderen Seite gekauft. Auf Verdacht, ohne konkretes Projekt im Kopf – einfach, weil er mir gefiel.

Als mir nun ein Verwendungszweck einfiel, fingen damit auch schon die Probleme an: Für den Sweat-Blazer Lady Grace von mialuna brauchte ich nämlich laut Maßtabelle mindestens 1,55 m Stoff. Ich hatte aber nur 1,20 m gekauft. Und mir war klar, dass natürlich gerade bei einem Motiv wie den Flamingos nichts herauszuholen sein würde, indem man Schnittmusterteile geschickt gegeneinander verschränkt auf dem Stoff platziert. (Hier spricht die Frau, die mal ein Shirt mit Ankern im Kopfstand genäht hat…)

Zum Glück ließ sich für den Flamingo-Stoff noch Nachschub auftreiben. Natürlich habe ich nicht nur die fehlenden 30 cm gekauft, sondern 60 cm bestellt, damit in der Höhe auch Platz für die einschlägigen Teile des Schnittmusters wäre.

Der Zuschnitt konnte also beginnen. Während Zuschneiden schon bei „normalen“ Projekten nicht zu meinen Lieblingsarbeiten zählt, war es in diesem Fall ein Puzzle mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: Um sicherzustellen, dass die Flamingos nicht an ungünstigen Stellen zerteilt werden und v. a. idealerweise an den Nähten auch wieder passend aufeinandertreffen, habe ich jedes Teil einzeln zugeschnitten und nicht wie sonst in doppelter Stofflage. Die Tüftelei funktionierte so lange gut, bis ich zu den Seitenteilen des Rückens gelangte, die ich aus dem nachgekauften Stoffstück zuschneiden wollte. Das hatte zwar die notwendige Gesamthöhe dafür, aber der Abschnitt passte nicht zu dem des Rückenmittelteils, da der Rapport so groß ist. Es war also nicht möglich, die Schnittmusterteile so anzulegen, dass identische Flamingos aufeinander trafen, da dann wiederum doch oben oder unten jeweils ein Stückchen gefehlt hätte. Auf dem Rücken musste ich mich also von der Idee passgenau angesetzter Flamingos verabschieden.

Blieb noch eine kritische Naht auf der Vorderseite, an der es galt, die Nahtzugaben möglichst haargenau gleich zu bemessen, um am Ende einen vollständigen Flamingo zu erhalten. Das Kunststück ist bei näherem Hinsehen nicht ganz gelungen, führt aber auf den ersten Blick jedenfalls nicht zu Irritationen. Zum Glück können Flamingos ja bekanntlich auch auf einem Bein stehen.

Plotten statt kleben! Schnittmuster auf A0 ausdrucken

Ich weiß: Ich bin nicht die erste, die diese Möglichkeit erfindet und auch nicht die erste, die darüber bloggt. Aber weil ich diese kürzliche Entdeckung so großartig finde, muss ich nun trotzdem darüber schreiben:

Wenn man Schnittmuster als E-Book kauft, bedeutet das normalerweise, dass man sie auf DIN A4 ausdruckt und dann einen Abend mit Schere und Tesafilm über den Boden kriecht, um die Einzelseiten passgenau zusammenzukleben. Dann las ich von Schnittherzchen, wo man die A4-Muster auf A0 ausplotten lassen kann. Darüber hinaus gibt es dort sogar die Möglichkeit, mit einem recht einfachen Online-Tool die Seiten zuvor richtig anzuordnen (denn der Schritt muss natürlich vorausgehen — schließlich sind alle Schnittmuster unterschiedlich aufgeteilt). Ich habe damit ein wenig rumgespielt und fand die Idee großartig, aber der Preis von ca. 9,95 € für einen zusammenzufügenden Schnitt und entsprechenden Plot inklusive Versand war mir dann doch ein wenig zu hoch. Doch die Idee schien es mir wert, weiterverfolgt zu werden, und siehe da: Andere Nähnerds waren vor mir auf die gleiche Idee gekommen (z. B. drehumdiebolzeningenieur).

Denn mit etwas Computerspielerei ist es gar nicht schwierig, aus den A4-Vorlagen wieder eine A0-Datei zusammenzusetzen und sie für kleines Geld plotten zu lassen. Mit Photoshop oder dem kostenlosen Programm Inkscape ist das mit etwas Übung schnell geschehen. Ich brauche für ein normal großes Schnittmuster mit ca. 20 Seiten etwa eine halbe Stunde. Dabei muss man natürlich darauf achten, dass man die Kleberänder, die für die A4-Ausdrucke eingeplant sind, wieder abzieht und die Schnittlinien (mit Hilfe der Klebemarkierungen, falls vorhanden) genau aneinander setzt.

Drei einfache Schritte

  1. In Photoshop eine neue Datei mit DIN-A0-Format anlegen (841 x 1189 mm)
  2. Über „Datei → Platzieren und Einbetten“ nach und nach die entsprechenden Seiten des Schnittmuster-PDFs laden und an Ort und Stelle schieben
  3. das fertige Dokument als PDF abspeichern

Da die Portokosten für die Plots sich natürlich nach dem Gewicht richten, lohnt es sich auch, mehrere Plots auf einmal zu bestellen. Ich habe daher direkt mal drei Schnittmuster, die ich schon länger auf der Festplatte, aber noch nicht ausgedruckt und zusammengeklebt hatte, geplottet und für vier A0-Bögen und einen A1-Bogen inklusive Versand 7,89 € bezahlt, was die Sache in meinen Augen total wert ist. Denn mir persönlich ist eine halbe Stunde Photoshop-Basteln deutlich lieber als das Herumkriechen auf dem Boden mit Schere und Tesafilm. Natürlich muss man dann wiederum 1-2 Tage warten, bis der bestellte Plot zu Hause ankommt, aber wenn man es nicht furchtbar eilig hat, lohnt sich das auf jeden Fall.

Neben der Klebearbeit, die man sich spart, sind die Plots auch um ein Vielfaches platzsparender aufzubewahren. Mir jedenfalls ist es noch nicht gelungen, eine Klebe- und Falttechnik zu entwickeln, bei der man den Schnitt nicht anschließend erstmal bügeln müsste, um ihn vernünftig wiederzuverwenden.

In manchen Fällen ist es aber sicherlich fraglich, ob sich der Plot wirklich lohnt: Da Farbplots deutlich teurer sind als schwarzweiße, sind Schnittmuster mit feinen Farblinien für die verschiedenen Größen und vielen Passermarken sicherlich nur im Farbdruck zu gebrauchen. Wenn sie dann noch so groß sind, dass sie nicht auf einen A0-Bogen passen, sondern man zwei daraus machen müsste, liegt man schnell wieder bei knapp 10 € für den Plot, sodass es dann sicher Ansichtssache ist, ob es sich dennoch lohnt.

Ich werde aber sicher in Zukunft öfter mal die Plotter-Option ziehen und mich darüber freuen, denn ich bastel einfach viel lieber mit Stoff als mit Schere und Kleber!

Was als „schnelles“ Stoffreste-Verwertungs-Shirt begann wurde die Geschichte einer Serie von Nähfehlern: Wie ich versuchte, einen verunglückten Halsausschnitt zu retten und dabei alles schlimmer machte.

 

Die Chronologie des Versagens:

  1. Halsbündchen beim Annähen nicht genug dehnen
  2. die Mühe des Auftrennens scheuen
  3. die Schnapsidee ausbrüten, mit einer Knopfleiste den Ausschnitt zusammenziehen zu können
  4. entgegen allen Empfehlungen die Knopfleiste nicht zunächst an einem Probestück nähen
  5. bei dieser Premiere auch noch eigene „Variationen“ hinzuerfinden
  6. Anleitung missverstehen
  7. völlig missglücktes Nähgut erhalten

Nach dieser Serie von Pannen und Fehlern war das Shirt (übrigens nach diesem Schnitt) eigentlich ruiniert, es einfach wegzuschmeißen brachte ich aber trotzdem nicht übers Herz. In einem letzten Rettungsversuch kam mir so die Idee, den Ausschnitt auch unten noch einzufassen und mit einem Knebelverschluss nach asiatischem Vorbild zu versehen. Es wurden dann am Ende Satinbänder und KamSnaps.

Das Longsleeve ist nun zwar grundsätzlich tragbar, doch seit langem eines meiner armseligsten Werke.

Großes Finale für den 365-Tage-Quilt

Was als 365-Tage-Quilt begann, ist nun eine Zwei-Jahres-Patchworkdecke geworden. Und sie besteht auch nicht aus 365 Stoffreste-Quadraten, sondern „nur“ aus 252. Also alles ganz anders. Letztlich ging es ja aber um eine sinnvolle Stoffreste-Verwertung und da kann man die Regeln auch mal unterwegs anpassen.

Nun ist also eine ca. 1,30 m x 1,60 m große Patchworkdecke entstanden, die zu Weihnachten auch schon den Besitzer gewechselt hat. Nachdem ich von der Anleitung von Pech & Schwefel so begeistert war, nach der ich auf halber Strecke angefangen habe, die Stoffquadrate ihrerseits in Vierer-Blocks anzuordnen und zusammenzunähen, habe ich die bereits genähten Reihen noch einmal aufgetrennt – eine Entscheidung, die mir diverse Stunden mit dem Auftrenner beschert hat. Doch diese Methode versprach einfach mehr Präzision.  Die 63 Vierer-Blocks habe ich anschließend halbwegs farbkoordiniert angeordnet und beim Zusammennähen die gleiche Methode verwendet.

Entgegen üblicher Patchwork-Konvention habe ich für die Rückseite einen ganz besonders flauschigen Stoff ausgewählt und dafür auf ein Volumenvlies verzichtet. Die Decke sollte als gemütliche Kuscheldecke auf der Couch dienen können und nicht ein steifer Teppich werden. Diese Entscheidung erwies sich als gut, denn so ist die Decke noch formbar und anschmiegsam.

Nachdem ich mit der Anleitung fürs Zusammennähen schon gut gefahren war, habe ich mich auch beim Quilten und Einfassen an das gleiche Pech-und-Schwefel-Tutorial gehalten.

Bleibt die Frage: und nun?

Als Stoffreste-Projekt war der Quilt ideal und er braucht unbedingt ein Nachfolgeprojekt. Der Bedarf an großen Decken ist aber (auch im Familien- und Bekanntenkreis) natürlich nicht enorm, sodass ich vielleicht eher versuchen sollte, öfter mal eine kleinere (Baby-)Decke zu nähen. Bei der aktuellen Reproduktionsrate meines Umfelds scheint der Bedarf hier jedenfalls noch nicht gedeckt…

 

Ein Adventskalender für den Mann

Männer beschenken ist ja ohnehin so eine Sache. Ihnen einen Adventskalender mit 24 Kleinigkeiten zu bestücken, ist nicht unbedingt einfacher. Natürlich – Schoki und Co. gehen immer, aber wenn es darüber hinausgehen soll, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Was ich dem Mann in diesen 24 Säckchen versteckt habe, kann ich hier vor dem 1. Dezember natürlich noch nicht verraten, aber den Adventskalender zeige ich schon mal. Genäht habe ich ihn schon letztes Jahr – und das natürlich nicht zur einmaligen Verwendung.

Zum Nachnähen

Den Hintergrund bildet ein Stückchen Sternenstoff mit den ungefähren Maßen 30 x 70 cm, der vielleicht etwas stabilere Vlieseline (z. B. H 250) vertragen hätte.  An den Ecken wird er einfach mit Gummis an die Tür gehängt. Die 24 Säckchen darauf sind mit KamSnaps befestigt und können also eines nach dem anderen abgeknöpft werden.

Mit KamSnaps werden die Säckchen befestigt.

Mit KamSnaps werden die Säckchen befestigt.

Die Bänder zum Verschnüren der mit Datum bestickten Säckchen hatte ich eigentlich in die Seitennaht eingearbeitet, allerdings lösten sich einige der Bänder beim Waschen auf (da ich die Enden nicht abgeflammt oder anders versäubert hatte), sodass in diesem Jahr in einigen Fällen an Stelle der eingenähten Bänder normales Geschenkband getreten ist.

Jetzt bin ich schon gespannt auf das Gesicht des Adventskalender-Öffners, der ihn heute an seiner Arbeitszimmertür vorfindet!

SnapPap meets Flausch

So schön der neue Arbeitsplatz ja ist, einen Haken hatte er: Da die große Tischplatte nur eine Spanplatte aus dem Baumarkt und keine originäre Schreibtischplatte ist, sind die Kanten nicht abgerundet und ergonomisch gestaltet, sondern scharfkantig. Beim Nähen stört das weniger, da man die Unterarme meist nicht direkt auf der Tischkante ablegt, sondern eher in der Luft hält, um das Nähobjekt durch die Maschine zu führen. Beim Arbeiten am Computer war mir aber schnell klar, dass die Kante so auf Dauer zu unangenehm wäre. Also habe ich mir etwas ausgedacht: Eine Computerunterlage mit flauschiger Handgelenkauflage.

Nun bin ich nicht die erste, die eine Schreibtischunterlage aus SnapPap herstellt, habe für meine aber kleinere Maße gewählt und aus einem Reststück Alpenfleece eine flauschige Ablage fürs Handgelenk konstruiert, die nun verhindert, dass sich die Tischkante in den Unterarm bohrt. Und weil ich schon lange einmal ausprobieren wollte, SnapPap zu bestempeln, habe ich die Mousepad-Fläche mit kleinen Walen (Gratis-Beigabe einer Bastelmaterialbestellung) verziert. Das Ergebnis könnte dazu führen, dass ich meine Stempel-Auswahl mal erweitern muss…

Kurzanleitung

Falls jemand die Computerunterlage nachmachen möchte, hier die wenigen Schritte im Überblick:

Materialbedarf:
  • SnapPap (50 x 35 cm)
  • Alpenfleece oder anderer Stoff (ca. 52 x 12 cm)
  • Füllwatte o. ä.
  • passendes Garn und ggf. Verzierungsmaterial
Schritt für Schritt:
  1. SnapPap zuschneiden. Nach Wunsch die (oberen) Ecken abschrägen.
  2. Alpenfleece mit der flauschigen Stoffseite unten auf die Unterseite der Vorderkante pinnen und festnähen.
  3. Stoff nach oben umklappen und an den Seiten knapp um die Außenkante des SnapPap schlagen und festnähen. Nach Belieben die Naht als dekorative Außenlinie einmal um die gesamte SnapPap-Fläche führen.
  4. Die so entstandene Stofftasche mit Füllwatte ausfüllen
  5. Die Oberkante des Stoffes einschlagen und knappkantig feststeppen
  6. nach Wunsch die SnapPap-Fläche verzieren.

Fertig!

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