kakakiri

Nähen · Ballett · Musik · Reisen

Monat: März 2018

Erste Male: Nähen mit Avalon

Avalon kannte ich bis letzte Woche nur als Schauplatz eines Fantasy-Romans. Am Wochenende ist es mir aber unter die Nähmaschine geraten und hat ein Projekt gerettet.

Das Projekt war ein maßgefertigtes Balletttrikot für eine Etsy-Kundin, der Stoff ein in alle Richtungen dehnbares Lycramaterial. Der erwies sich als sehr widerspenstig: Bei allen Nahtproben ließ die Nadel Stiche aus – ob Geradstich oder Zickzack, ob Zwillingsnadel oder einfache. Nachdem diverse andere Fehlermöglichkeiten (Zwillingsnadel falsch eingefädelt, Faden in der Spulenkapsel verheddert etc.) ausgeschlossen waren, konnte es nur am Stoff liegen. Eine kundige Bekannte und die Beraterin im örtlichen Fachhandel empfahlen mir dann beide Avalon.

Diese wasserlösliche Spezialfolie soll verhindern, dass Stiche im Stoff verschwinden und sorgt dafür, dass der Stoff unter dem Nähfuß richtig „Grip“ hat. Dazu schneidet man (nicht zu schmale) Streifen, die man um die Nahtkante faltet und mit annäht. Zwar war es eine ordentliche Fummelei, den eingeschlagenen Belegstreifen und das Avalon zusammen sauber anzupinnen, aber es war die Mühe wert. Die Nähte waren plötzlich einwandfrei.

Man kann das genähte Teil anschließend natürlich einfach in die Waschmaschine stecken, aber weil ich zu neugierig war, wie sich das Avalon auflösen würde, habe ich es im Waschbecken ausgewaschen. Die Warnung der Verkäuferin, die Folie nicht mit nassen Fingern anzufassen erwies sich denn auch als berechtigt, weil das Avalon beim Kontakt mit Wasser sofort begann, sich wie durch Zauberhand in einen etwas seifigen Film zu verwandeln und dann ruckzuck ganz verschwunden war. Die Wasser von Avalon haben also nicht nur König Artus geheilt, sondern auch mir Rettung gebracht!

Und diesen Post schicke ich jetzt noch zum Creadienstag.

Mellie von Pattydoo: das Schnittmuster beim Wickel gepackt

Als damals in der Schule beim Berufseignungstest herauskam, dass ich eigentlich alles machen könnte, außer vielleicht Architekt oder Chirurg zu werden, fand ich dieses Urteil über mein räumliches Vorstellungsvermögen ungerecht. Ich habe den Rat dann zwar dennoch befolgt, wenn auch wohl nicht aufgrund dieses Tests…

Was das mit dem Schnittmuster zu tun hat, über das ich hier schreiben möchte? Nun ja, das Shirt „Mellie“ von Pattydoo hat mein räumliches Vorstellungsvermögen ordentlich auf die Probe gestellt: Es hat als besonderen Gimmick zwei überkreuzte Wickelteile vorne. Ich hatte im Pattydoo-Nähforum bei Facebook zwar schon verschiedentlich von Schwierigkeiten mit den Wickeln gelesen, aber erst nachfühlen können, woran es hakte, als ich mich selbst daran versuchte.

Dabei muss man wissen, dass die Pattydoo-Schnittmuster alle mit ausführlichen Videoanleitungen kommen, sodass man meinen sollte, dass etwaige Probleme damit lösbar sind. Aber mich hat ein Clou des Shirts dann doch schier zur Verzweiflung getrieben: Die Nähte, die Ärmel, Wickel und Vorderteil miteinander verbinden, sind nämlich nicht einfach Overlocknähte, die am Ende im Innern des Shirt liegen wie sonst üblich, sondern sie sollen mit der Nähmaschine genäht werden – und zwar so, dass die offenen Nahtkanten am Ende zwischen Vorderteil und Wickel versteckt sind.

Die entsprechende Stelle im Video habe ich wohl an die zehn Mal angeschaut, und immer scheiterte ich schon daran, nachzuvollziehen, wie die Teile des Shirts nun idealerweise vor mir auf dem Tisch angeordnet sein sollten. Nachdem ich eine Naht zum zweiten Mal aufgetrennt hatte, habe ich das Schwarmwissen der Facebook-Gruppe angerufen und dort auch einige Hinweise bekommen – allerdings nicht die ultimative Erklärung. Die habe ich schließlich selbst gefunden: Mit dem Abstand einiger Stunden habe ich das Video noch einmal angeschaut und hatte plötzlich eine Erkenntnis, die ich versuchen möchte hier zu erklären, denn vielleicht hapert es ja auch bei anderen an genau dieser Stelle.

Versuch einer Erklärung

Um den Ärmel sauber am Wickelteil zu fixieren, macht man eine ca. 3 cm lange Hilfsnaht. Dazu muss man zunächst den Wickel nach oben und dann von der Kante nach innen schlagen. Nachdem man die kurze Naht gesetzt hat, soll man den Ärmel über die gesamte Länge an den Wickel klammern und laut Video das Oberteil darüberschlagen. Doch genau hier ist der Haken! Was man im Video nämlich nicht sieht, ist, wie Ärmel und Wickel genau liegen müssen, bevor man das Oberteil hochklappt. Die Lösung bestand in meinem Fall darin, das Oberteil nicht über die drei Lagen des Wickels und des Ärmels zu schlagen, sondern darunter! Anders gesagt: Man muss alle Teile wieder so legen, wie es im Video gezeigt wird, bevor man die Hilfsnaht macht – also Wickel nach oben gelegt, Kante von Wickel und Vorderteil zur Mitte geklappt und Ärmel bündig auf dem Wickel. Es kommt also schließlich die linke Stoffseite des Vorderteils auf die linke Seite des Ärmels zu liegen. Hat man das einmal verstanden, läuft der Rest von ganz alleine.

Natürlich habe ich mich so über meinen Geistesblitz gefreut, dass ich versäumt habe, detaillierte Fotos von der Problemlösung zu machen. Es wird aber sicher nicht das letzte Shirt dieser Art bleiben, denn das Ergebnis gefällt mir ausgesprochen gut, und jetzt, wo ich den Trick einmal verstanden habe, sollte es beim nächsten Mal ja auch direkt funktionieren.

Shirt Mellie Pattydoo kakakiri

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