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Jahr: 2015 (Seite 1 von 2)

Totgesagte quilten länger: Verlängerung für den 365-Tage-Quilt

Mit guten Vorsätzen ist das bekanntlich so eine Sache: Voll motiviert startet man sein neues Projekt, bevor nach einigen Wochen der Schlendrian einsetzt. Nicht anders erging es mir mit meinem Großprojekt, das ich mir für 2015 vorgenommen hatte: dem 365-Tage-Quilt. Was im Januar noch ganz vielversprechend anfing, sah Anfang April schon etwas angespannter aus. Und weil auch in den folgenden Monate keine großen Fortschritte zu vermelden waren, folgte hier im Blog ein langes Schweigen.

In der Zwischenzeit habe ich den Quilt jedoch nicht still und leise abgeschrieben, sondern weiterhin bei jedem Nähprojekt Reste genutzt, die beim Zuschnitt entstanden, um weitere Quilt-Quadrate zuzuschneiden. Allerdings war bis Mitte des Jahres klar, dass die Zahl von 365 Quadraten bis Jahresende nicht zu erreichen wäre. Daher habe ich mich entschieden, das Projekt ins Jahr 2016 zu verlängern.

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angefangene und fertige Reihe, Dez. 2015

Ich hatte im Laufe des Jahres bereits immer wieder farblich passende Stoffstücke zu Reihen arrangiert. Vier Reihen sind mit 14 Quadraten abgeschlossen, einige weitere angefangen. Im Nachhinein stellt sich das nun als Fehler in der Vorgehensweise heraus, weil ich leider erst kürzlich auf eine Anleitung¹ zum akkuraten Zusammenfügen von Quilts gestoßen bin, die ein anderes Vorgehen empfiehlt: Jeweils vier Stoffstücke werden dabei zu Quadraten arrangiert, die anschließend zusammengenäht werden.

Quilt Quadrate arrangieren

Quadrate aus jeweils vier Stoffstücken

Indem man die beiden Reihen direkt nacheinander durch die Maschine füttert, hängen sie in der Mitte bereits zusammen und es ist beinahe idiotensicher, einen sauberen Mittelpunkt zu erzielen.

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Zwei benachbarte Reihen werden mit einem Faden zusammengenäht

Auf diese Art und Weise habe ich nun 48 weitere Quilt-Blocks zu 12 Quadraten verarbeitet. Später werden diese Quadrate miteinander vernäht und wenn es dabei gelingt, die Stellen, an denen dann wiederum vier Stoffstücke aufeinander treffen, sauber zu treffen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch im fertigen Quilt weniger Verschiebungen und Ungenauigkeiten zu sehen sind.

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Saubere Mitte.

Wie ich die angefangenen und fertigen Reihen mit den neuen Viererblocks am Ende kombiniere, bin ich mir noch nicht sicher. Vorerst sammle ich also weiter und vernähe passende Viererkonstellationen.

Mit den bereits zu Reihen zusammengefügten Stoffstücken und einigen nun noch übrigen Blocks komme ich zum Ende des Jahres immerhin auf 154 verarbeitete bzw. vorbereitete Quiltstücke. Um am Ende eine Gesamtgröße von etwa 140 x 180 cm zu erreichen, brauche ich also rund 100 weitere Quadrate für meinen Quilt. Gute Vorsätze für 2016: check.

¹Die Anleitung, auf die ich mich beziehe, hätte ich hier gerne verlinkt – ich weiß nur leider nicht mehr, wo ich sie gefunden habe.

Näh-Bilanz 2015

Es war lange still hier – und damit sind wir auch gleich beim Thema: Die Zeit zum Bloggen ist knapp, und gute Vorsätze allein schreiben noch keinen Post. Pünktlich zum Adventsbeginn kommt daher nun eine kleine Bilanz meiner „Sticheleien“ dieses Jahres, die als Projekte leider nicht einzeln den Weg hierher gefunden haben.

Und bevor jemand fragt: Um den 365-Tage-Quilt ist es zwar auch still geworden, doch er ist noch nicht tot. Aber hierzu demnächst mehr…

Nun also eine kleine textile Zusammenfassung des Jahres 2015:

Am Anfang stand ein Schlafanzug – Auftragswerk einer Freundin, die damit ihren Neffen beschenken wollte, der Landkarten liebt. Also gingen wir auf die Suche nach einem geeigneten Stoff, was sich als gar nicht so einfach erwies. Zwar gibt es Baumwoll- und Dekostoffe mit entsprechenden Prints, ein schlafanzugtauglicher Jersey allerdings fand sich erst bei Etsy und musste aus der Türkei importiert werden. Gut, dass wir frühzeitig recherchiert haben, denn das gute Stöffchen war eine Weile unterwegs. Das Schnittmuster war ein selbst zusammengestelltes, das auf zwei Freebooks basierte: dem Oberteil Autumn Rockers von mamahoch2 und einer Hose nach dem Schnitt von Näähglück.

Dreimal Lady Rose

Dreimal Lady Rose

Ein Schnitt, der in diesem Jahr gleich mehrfach zum Einsatz kam, ist der für das Kapuzenshirt Lady Rose von mialuna: einmal ohne Taschen und mit 3/4-Ärmeln (für mehr reichte leider der tolle beidseitig verwendbare Stoff in türkis-petrol nicht) und zweimal mit Taschen und langen Ärmeln – ebenfalls aus Doubleface-Stoff, sodass die Kapuze auch ungefüttert eine interessante Innenseite hat und die Tascheneingriffe automatisch kontrastieren. Ich bin sicher, es werden nicht die letzten ihrer Art bleiben.

Shirt "Scarlett" mit Wasserfallkragen

Shirt „Scarlett“ mit Wasserfallkragen

Ebenfalls mehrfach gebraucht habe ich das Schnittmuster für das Shirt Scarlett von pattydoo mit Wasserfallkragen. Allerdings habe ich bei Exemplar Nummer 1 einen ganz besonders schönen Anfänger-Fehler gemacht und es offenbar geschafft, das Rückenteil quer zum Fadenlauf zuzuschneiden, sodass nun die beiden Teile nicht nur unterschiedlich lang erscheinen, sondern insbesondere der Farbverlauf einmal längs und einmal quer verläuft. #facepalm

Auch 2015 gab es natürlich wieder Nachwuchs im Bekanntenkreis, für den vom Knistertuch (für das nun Bratschlauch im Haus ist)¹ über eine Kombi aus Body und Strampelsack, eine Pumphose bis zum Babyjäckchen einiges entstand. Und weil Geschwisterkinder nicht leer ausgehen sollten, gab’s zu letzterem gleich noch etwas „Essbares“ für die Puppenküche hinzu:

Babyjäckchen nach dem Schnitt "MiniJaWePu"

Babyjäckchen nach dem Schnitt „MiniJaWePu“

Puppenküchen-Vorräte

Puppenküchen-Vorräte

Shirt "Kaschi" mit improvisiertem Kragen

Shirt „Kaschi“ mit improvisiertem Kragen

Ein Schnitt, mit dem ich leider nicht zufrieden war, ist das Shirt Schnaggi von Pech & Schwefel, das sich als recht unförmig mit zu groß geratenem Halsausschnitt erwies. Ein aus den Stoffresten fabrizierter Schalkragen hat dieses Problem wenigstens notdürftig behoben. Dafür bin ich ganz zufrieden mit meinen Erstlingsversuchen im Applizieren mit Hilfe von Vliesofix (aufbügelbare „Klebehilfe“) – hier einfach Ton in Ton mit demselben Stoff auf links.

Kleinere Stoffreste-Verarbeitungs-Projekte und Nützliches wie einige Täschchen aus Schokopapier sind – quasi nebenbei – auch immer mal noch entstanden. Inzwischen warten auch schon wieder neue Stöffchen und noch unerprobte Schnittmuster darauf, an- und zugeschnitten zu werden. Es ist eine fiese Sucht, diese Näherei…

¹Bratschlauch eignet sich wunderbar für Knistertücher, weil er nicht nur super knistert, sondern auch sehr hitzebeständig ist und man ihn deswegen auch heiß mitwaschen und sogar -bügeln kann.

World Ballet Day neu aufgelegt

Am 1. Oktober ist wieder World Ballet Day. Dass Ballettnasen wie ich den Impuls haben, einen Tag Urlaub zu nehmen, um von 4.00 Uhr morgens bis 3.00 am nächsten Tag Ballett-Bingewatching zu betreiben, zeigt vermutlich, dass das ein großes Ding ist. Und de facto ist es das auch, denn fünf der weltweit angesehensten Ballett-Compagnien schließen sich dafür zusammen und streamen jeweils live zwischen drei und fünf Stunden ihres Arbeitsalltags.

Vom Australian Ballet in Melbourne über das Bolshoi in Moskau, das Royal Ballet in London, das National Ballet of Canada bis zum San Francisco Ballet kann man einigen der besten Tänzer weltweit beim Training zusehen. So stand im vergangenen Jahr beim ersten derartigen Event beispielsweise im Bolshoi gerade eine Probe von Svetlana Zakharova für »The Legend of Love« auf dem Plan.

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Svetlana Zakharova und Denis Rodkin in einer Probe während des World Ballet Day 2014

Es geht also jeweils los mit der Morning Class – dem täglichen Technik-Training – gefolgt von Probeneinblicken in das aktuelle Repertoire der Compagnien, garniert jeweils mit Interviews mit Tänzern, Ballettmeistern oder Choreografen. Verfolgen kann man das Ganze entweder über die Website worldballetday.com oder die YouTube-Channels der jeweiligen Institutionen. Nutzern in Deutschland sei an dieser Stelle geraten, sich zuvor schon mal mittels VPN oder IP-Changer eine ausländische IP-Adresse zuzulegen, damit man nicht beim Frühstück ins Bolshoi gucken möchte und stattdessen hierauf stößt:

YouTube-Sperre

Da die Worldballetday-Website den Zeitplan für den Tag in Pacific Daylight Time angibt und die beteiligten Compagnien auf ihren Websites jeweils in ihrer lokalen Zeitzone rechnen, habe ich das mal in unsere Zeitzone übersetzt:

04.00 – 09.00 Uhr: The Australian Ballet

09.00 – 12.00 Uhr: Bolshoi Ballett

12.00 – 17.00 Uhr: The Royal Ballet

17.00 – 22.00 Uhr: The National Ballet of Canada

22.00 – 03.00 Uhr (02.10.2015): San Francisco Ballet

Alle, die am 1. Oktober keinen Urlaub nehmen können / wollen und dennoch nichts verpassen möchten, seien getröstet: Die YouTube-Videos werden auch später noch (wenigstens für einige Zeit) abrufbar sein, sodass man vielleicht doch nicht alles an einem Stück gucken muss.

Die Faulenzer-Methode

Wenn man schon eine Nähmaschine hat, warum sollte man damit nicht auch die Bänder und Gummis an seine Spitzenschuhe nähen können…?

Giselle in Finnland

„Du bist nicht erwachsen – du fährst in die Ballettferien!“ kommentierte eine Facebook-Freundin neulich in anderem Zusammenhang. Und irgendwie hat sie damit wohl recht, denn die Menschen, die wie ich diesen Sommer eine Woche in Sammatti mitten in der finnischen Pampa verbrachten, um dort in dieser Zeit eine Produktion von Giselle einzustudieren, eint wohl der Mädchentraum vom Ballerinaleben.

Abgesehen von einigen Teenagern, die auf dem besten Weg sind, diesen Traum zu verwirklichen, ist der größte Teil der Teilnehmer dieses Ballettcamps zwischen Anfang 20 und Mitte 40, betreibt Ballett auch nur als Hobby und war sich wohl bewusst, dass das Leben eines Profitänzers harte Arbeit ist. Es am eigenen Leib zu erfahren, ist daher auch eine Lektion in Ehrfurcht vor dieser Kunst und der Arbeit, die dahinter steckt.

Nun sind acht Tage ein ambitionierter Zeitrahmen, um ein ganzes Ballett (mit Ausnahme der Solopartien, die von Profis übernommen werden) einzustudieren. So mussten wir Möchtegern-Ballerinas ranklotzen: Schon um 9.00 Uhr begann die reguläre Ballettstunde. Nach diesem Ritual, das für alle Companies der Welt obligatorisch ist, folgten eine 90-minütige Probeneinheit am Vormittag und eine längere (ca. 2,5 Stunden) am Nachmittag. Vor dem Abendessen dann noch eine Stunde Stretching für Regeneration der geschundenen Waden-, Oberschenkel- und sonstiger Muskeln.

Apropos Essen: Die Verpflegung durch die Restaurantfachschule, auf deren Gelände das ganze Camp stattfindet, ist ausgezeichnet und sehr Tänzer-geeignet. Dass Ballerinas alle magersüchtig sind und nur an ein paar trockenen Salatblättern knabbern, ist ja ohnehin eine Mär, aber allzu schwer sollte das Essen natürlich nicht sein, wenn man direkt anschließend wieder bewegungsfähig sein will. So kam uns allen das reichhaltige und abwechslungsreiche Salatbüffet, die Suppen am Mittag und die „Fisch-Frequenz“ der Woche entgegen. Und nach diesem Tagespensum durften wir uns die leckeren Desserts am Abend auch guten Gewissens schmecken lassen.

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Tanzen in malerischer Kulisse: Die rote Scheune beherbergt die Bühne und Platz für ca. 120 Zuschauer.

Als Bühne und Trainingslocation dient eine alte Scheune, die inzwischen extra für diese jährlichen Aufführungen mit einer Bühnenkonstruktion versehen wurde, auf der ein Tanzboden verlegt wird. Die Kostüme werden von der Ballettschule in Helsinki ausgeliehen, die organisatorisch hinter diesem Camp steckt und für die Bühnendekoration haben Campteilnehmer mit gestalterischem Talent ihre Abende geopfert. Unterrichtet wurden wir diesen Sommer von drei ehemaligen Tänzern des Finnischen Nationalballetts (FNB), die uns mit einer tollen Kombination aus Anspruch und Geduld „quälten“, um am Ende der Woche eine gute Aufführung auf die Bühne zu bringen.  Für das Corps de ballet hieß das vor allem immer wieder „lines, girls!“ – sprich: Haltet eure Position in der Reihe! Lange Beine sind eben auch kein Grund, aus der Reihe zu tanzen!

Ein besonderes Bonbon, neben dem Training durch ehemalige Stars des FNB wie Jarkko Niininen, Minna Tervamäki oder Jane Spackman, war wohl, den Tänzer und Albrecht-Darsteller Michal Krčmář im Training zu erleben: atemberaubende Sprünge, perfekt kontrollierte Drehungen – you name it!

Auch wenn bei uns Hobbytänzern am Ende der Woche längst nicht alles perfekt war, konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Hinter der Bühne herrschte ein wildes Vorbereitungsgewusel, als 35 Tänzerinnen ihre Zehen mit Tape oder härteren Drogen (gepriesen sei das Ibuprofen-Spray!) auf zwei Stunden in Spitzenschuhen vorbereiteten, die Bänder wie die Profis an den Strumpfhosen festnähten, um lose heraushängende Enden zu verhinden, und sich gegenseitig in die (mitunter recht engen) Kostüme halfen. Mit Kostüm und Make-up kam plötzlich auch das Gefühl von „es wird ernst“ und die Spannung, die eine Aufführung von einer Probe unterscheidet.

Leider viel zu schnell nach der Aufführung zerstreuten sich die 35 Traumtänzerinnen wieder in alle Welt, aber die eine oder andere trifft man bestimmt auch im nächsten Jahr in Sammatti…

Mehr Bilder von der Aufführung gibt es übrigens hier.

Versuchs-kaka-ninchen

oder: Facebook im Dienste der Wissenschaft

Seit Herbst liest ein fremder Mann meine Facebook-Posts mit. Phishing? Datenklau?

Eher Datensammlung, denn er tut dies mit meiner Genehmigung. Freundschaftsanfragen von Fremden lehne ich eigentlich per se ab, in diesem Fall wurde sie aber von einer gemeinsamen Freundin angebahnt und angekündigt: Lars war auf der Suche nach Freiwilligen, die ihm ihre Chronik für eine linguistische Studie einsehbar machen würden. Sprachnerd bin ich sowieso und die Kriterien* erfüllte ich alle – da war meine Neugier geweckt und ich meldete mich als Beobachtungsobjekt. Untersucht werden sollte die Frage, welcher Sprache sich diejenigen Facebook-Nutzer wann bedienen, die neben Deutsch auch Englisch gut beherrschen. Sprich: Wovon ist die Wahl der Sprache eines Posts abhängig und werden eventuell auch Sprachen gemixt?

Lars studierte also meine Posts der Vergangenheit und las seit November 2014 live mit, was ich so von mir gab. Nun sind meine Facebook-Aktivitäten ja gar nicht so rege, aber offenbar ließ sich dennoch genug daraus entnehmen, wie ich feststellte, als ich kürzlich den fertigen Aufsatz zu lesen bekam. Durch seine Beobachtungen zu meiner Sprachwahl in Facebook-Posts in Verbindung mit einigen Fragen, die Lars mir zusätzlich noch zu meinem Facebook-Nutzungsverhalten und zur Zusammensetzung meines Freundeskreises gestellt hatte, wurde ich so zu einem von sieben anonymisierten Datensätzen. (Wer mich kennt, errät sicher schnell, hinter welchem Pseudonym ich mich verstecke.)

Übrigens offenbarten Lars‘ Fragen auch mir selbst interessante Erkenntnisse über meinen Freundeskreis: Nur knapp 10 % sind englische Muttersprachler und weitere 12 % sprechen muttersprachlich weder englisch noch deutsch (beherrschen aber Englisch als Zweitsprache). Diese Relationen waren bei mir allenfalls ein Bauchgefühl.

Was hat die Analyse meiner und der Facebook-Pinnwand anderer nun also gezeigt? Wer sich für die linguistischen Details interessiert, kann den gesamten Artikel hier nachlesen. Mir selbst sind zudem noch einige Dinge aufgefallen:

  1. Ich äußere mich deutlich häufiger in Songzitaten als mir bewusst war.
  2. Man kann sich mehr Gedanken zu Interpunktion und semantischer Genauigkeit innerhalb meiner Facebook-Posts machen als ihnen angemessen ist.
  3. Meine „Schwedophilie“ führte zu einem kuriosen Einzelfall innerhalb des Facebook-Sprachverhaltens der untersuchten Stichprobe. Davon abgesehen ticke ich aber im Sinne der Stichprobe völlig „normal“
  4. Der Anspruch an Facebook-Posts wird in Zukunft nicht nur sein, sie möglichst geistreich, sondern darüber hinaus linguistisch interessant und relevant zu gestalten…

 

*

  • Deutsch ist Muttersprache
  • Englisch ist nicht Muttersprache, wird aber als Zweitsprache gut beherrscht
  • in Deutschland zur Schule gegangen
  • lebt in Deutschland
  • ist erwachsen

This is Finnish but not the end

Finnisch lernen? Jeder, der sich ein wenig mit Fremdsprachen auskennt, wird wohl sagen: Lass es – zu kompliziert… Es muss also ein akuter Anflug von Größenwahn gewesen sein, der mich dazu trieb, vor ca. zwei Monaten auf Empfehlung von Katrin die App Memrise  genau zu diesem Zweck auszuprobieren.

Nun ist Memrise, wie der Name schon suggeriert, vor allem eine App zum Auswendiglernen, die von Arabisch über Esperanto bis Quechua für so ziemlich jede Sprache (kostenlose) Lektionen bereit stellt, mit der man sich aber auch Hauptstädte, Matheformeln oder Komponistennamen einprägen kann. Als Merkhilfen sollen dabei sogenannte Mems dienen – Illustrationen mit bisweilen aberwitzigen Eselsbrücken zur Muttersprache / ins Englische, die andere Nutzer angelegt haben. Was die App aber nicht kann, ist Grammatikregeln erklären, Deklinations- oder Konjugationstabellen anbieten etc. Beste Voraussetzungen also für eine Sprache, die über 15 Fälle verfügt und in der alles flektiert wird!

Meister Yodas Satzstellung als Gedächtnisstütze für das finnische Wort für "essen".

Yodas Satzstellung als Gedächtnisstütze für das finnische Wort für „essen“.

Angefangen habe ich also mit dem Kurs Beginner’s Finnish, der in 22 Lektionen 550 Wörter Grundwortschatz vermittelt. Schöne Eselsbrücken, hohe Erfolgsquoten beim Wiederholen der Vokabeln – alles schön und gut: Sätze, die nur aus Infinitiven und Nominativen bestehen, begegnen einem in freier Wildbahn aber nunmal leider selten…

Finnisch für Anfänger schien da eine gute Ergänzung, weil der Kurs neben reinen Vokabeln auch alltagstaugliche Phrasen enthält, die zwar auch nicht die darin enthaltenen Flektionen erklären, einen aber immerhin mit verwendbaren Sätzen ausstattet.

„Sprichst du Englisch“ – ein Satz, der viele weitere erübrigen könnte…

Wie steht es also um mein Finnisch, eine Woche bevor ich wieder nach Sammatti reise, um im finnischen Wald eine Woche lang so zu tun, als sei ich eine Ballerina?

Nun ja: Mein Wortschatz beläuft sich auf ca. 500 Vokabeln, die laut Memrise in meinem Langzeitgedächtnis verankert sind. Die finnischen Posts in der Facebook-Gruppe zu dem Tanz-Camp allerdings lassen mich vermuten, dass meine Finnisch-Kenntnisse auch in diesem Jahr allenfalls zum Begrüßen, Bedanken oder zur Belustigung der Einheimischen reichen werden. Aber da die Antwort auf die Frage oben in 99% der Fälle „kyllä“ lautet, ist ja alles easy. Eben: This ist Finnish but not the end…

 

Passierschein A 38

Wie ich einmal meinen Kindle im Flugzeug nach Moskau vergaß und versuchte, ihn wieder zu bekommen…

Was tut man, wenn man – trotz freundlicher Hinweise der Crew – so schlau ist, seinen Kindle im Flugzeug in der Tasche des Vordersitzes zu vergessen und dies erst auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt merkt?

Richtig, man kontaktiert die Airline oder checkt deren Website (oder beides) und erhält in meinem Fall die Auskunft von Airberlin, dass man sich an das örtliche Lost & Found am Ankunftsflughafen wenden solle.

Also auf dem Rückweg ein wenig extra Zeitpuffer einplanen, um in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht und in dem überraschend – um nicht zu sagen erschreckend – wenige Menschen englisch sprechen, nicht nur das Fundbüro zu finden, sondern sich dort auch noch begreiflich zu machen.

Der Plan erwies sich allerdings als kühn – trotz guter Vorbereitung in Form eines Screenshots der Google-Übersetzung meiner essenziellen Botschaft. Eine Odyssee in 12 Etappen, die mich mehr als einmal an Asterix und Obelix im Haus, das Verrückte macht, erinnerte:

"Ich habe meinen Kindle im Flugzeug vergessen."

„Ich habe meinen Kindle im Flugzeug vergessen.“

 1. Station: Der Airberlin-Service-Schalter

Die des englischen mächtige und freundliche Mitarbeiterin dort schickt mich ans Ende der Halle „hinter die Zollabfertigung“. Am Ende der Halle angekommen, sehe ich zwar den Ausgang der Zollabfertigung für ankommende Passagiere, aber nichts, was auch nur im entferntesten nach einem Lost- & Found-Schalter aussieht.

2. Station: Der Info-Point des Flughafens

Also zurück in die Mitte der Flughafenhalle zur allgemeinen Information: In brüchigem Englisch schickt man mich dort in die Richtung, aus der ich gerade kam. Also noch einmal gründlicher suchen und eventuell jemanden fragen.

3. Station: Ortskundig aussehende Menschen fragen

Das jedoch ist schwierig: Die Dame an der Geldwechselstube? Spricht kein Englisch, sondern telefoniert lieber weiter auf Russisch. Die beiden Sicherheitsfrauen am Ausgang? Kein Englisch. Die beiden Flughafenmitarbeiterinnen, die aus dem Zollabfertigungsbereich kommen? Kein Englisch. Schließlich weist mich die Mitarbeiterin am Schalter der nächstgelegenen Airline in die komplett entgegengesetzte Ecke der Flughafenhalle.

4. Station: Service-Schalter am anderen Ende des Terminals

Auch dort treffe ich auf eine passabel Englisch sprechende Mitarbeiterin, die mich um die Ecke und einen Gang entlang weist. Da die Schilder in dieser Richtung zur Gepäckaufbewahrung weisen, folge ich denen mal, in der Hoffnung, dass abgegebenes und gefundenes Gepäck gemeinsam verwahrt werden…

5. Station: Gepäckaufbewahrung

Hier allerdings bin ich wieder lost in translation:  weder die beiden Damen am Gepäckröntgengerät noch der unwillige Mensch an der Gepäckannahme, der sich erst beharrlich weigert, mich überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, sprechen Englisch. Also wieder zurück…

6. Station: Ein Mitarbeitereingang

Auf dem Weg versuche ich mein Glück noch an einem Mitarbeiter-Durchgang, der kontrolliert wird. Dort wiederum schickt man mich zurück zum Anfang.

7. Station: Die Gepäckausgabe für Sperrgut

Während ich das Terminal nun zum dritten Mal durchquere, fällt mir der Gepäckausgabeschalter für Sperrgut ins Auge und ich versuche auch dort mein Glück. Das reicht allerdings nicht so weit, dass die Dame dort Englisch verstünde. Mithilfe meines Screenshots kann ich mein Anliegen immerhin begreiflich machen und werde wiederum in Richtung meines Suchanfangs gewiesen. Unterwegs passiere ich erneut den Airberlin-Service-Schalter und beschließe, dort noch Mitarbeiterin 2 zu befragen.

8. Station: Der Airberlin-Service-Schalter

Während ich mich an Mitarbeiterin 2 wende, erkennt mich auch Mitarbeiterin 1 wieder und wirft ein, sie hätte mir doch schon beschrieben, wo ich hin müsse. Erst auf detailliertes Nachfragen ergibt sich, dass sie meinte, ich hätte mir am Ausgang der Zollabfertigung Einlass erbeten müssen, um im Bereich dahinter das Fundbüro zu finden. Allerdings würden Gegenstände, die vor mehr als zwei Tagen gefunden wurden, vom internationalen Ankunftsbereich in den nationalen verlagert, sodass ich direkt dort fragen sollte. Die Halle für nationale Ankünfte wiederum ist die, die ich gerade fast erreicht hatte, als ich bei der Gepäckaufbewahrung umgedreht hatte…

9. Station: Nationale Ankünfte

Also eine erneute Kehrtwende und wieder Ernüchterung: Bei den nationalen Ankünften angekommen, scheitere ich daran, dem dortigen Mitarbeiter begreiflich zu machen, dass und warum ich dorthin geschickt wurde – ohne Russisch bin ich nun wirklich mit meinem Latein am Ende und die Zeit bis zu meiner ausgewiesenen Boardingtime für den Rückflug ist auf 15 Minuten geschmolzen. 

10. Station: Ausreise-Zoll

Auf dem Weg zum Security-Check vor dem Gate unternehme ich einen letzten Versuch, die Mitarbeiter an der Zollkontrolle für Ausreisende zu fragen, bekomme aber nicht mehr als ein Schulterzucken.

11. Station: Der Lost & Found-Schalter am Heimatflughafen

Um nichts unversucht zu lassen, suche ich nach meiner Landung in Düsseldorf auch den dortigen Gepäckverlustschalter auf und erfahre, dass ich mir in Moskau – quasi entgegengesetzt der Einbahnstraße – Zugang zum Baggage-Claim-Bereich hätte verschaffen müssen, um dort ebenfalls den Lost & Found-Schalter zu finden. Nun bleibt mir nach Auskunft der freundlichen Mitarbeiterin wohl nicht nichts anderes übrig, als bis zum 20. des Monats (Mai) zu warten, um dann eine Anfrage an BaggageExpress zu richten, da nach diesem Termin jeweils alle nicht abgeholten Fundsachen aus Flugzeugen an die zentrale Sammelstelle in Berlin geschickt werden.

12. Station: Suchanfrage bei BaggageExpress

Was nun nach der vielversprechendsten Lösung klang, entpuppt sich leider als Enttäuschung:  Drei Anfragen auf verschiedenen Wegen (E-Mail, Kontaktformular, noch eine E-Mail – Telefonnummern werden wohl nicht angegeben, damit lästige Kunden wie ich nicht auch noch mündlich nerven) bleiben einfach unbeantwortet. Die immer gleiche Autoreply besagt, dass erst nach dem 20. des Folgemonats nach dem Verlust mit einer Antwort zu rechnen sei und vorher eingegangene Anfragen nicht aufbewahrt und berücksichtigt werden. Doch auch nach Verstreichen dieser Frist bekomme ich keine Reaktion.

Fazit: 

Mein Kindle wollte wohl gerne in Russland bleiben. Ich finde mich langsam damit ab, dass vor dem Urlaub ein Ersatz her muss und bin immerhin sicher, dass ich mich in Zukunft SEHR angesprochen fühlen werde, wenn beim Aussteigen aus dem Flieger darauf hingewiesen wird, nichts zu vergessen.

Update:

Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Posts kam dann doch eine Reaktion von BaggageExpress, die bestätigte, womit ich innerlich gerechnet habe:

Leider ist Ihr ebook nicht gefunden und an uns zur Lagerung übergeben worden. Es ist auch nicht zu erwarten, dass dieses noch bei uns eingehen wird (…).

Ras-dwa-tri – Eine russische Ballettstunde

Wenn man als Ballett-Nerd nach Moskau reist, ist das Programmangebot natürlich vielfältig: Bolschoi, Stanislawski, Kreml-Ballett oder andere Compagnien – irgendeiner tanzt eigentlich immer. Schon bei der Planung des ersten Moskau-Besuchs bei einer Freundin dort im vergangenen Oktober spukte mir allerdings die Idee im Kopf herum, dort Ballett nicht nur anzusehen, sonder selbst einmal zum Training zu gehen und eine „richtige“ russische Ballett-Stunde zu erleben. Eine schnelle Google-Suche nach „Adult Ballet Classes in Moscow“ ergab eine überschaubare Anzahl brauchbarer Treffer – darunter ziemlich weit oben Dance Secret. Der Name ist Ballett-Nerds von Facebook oder YouTube geläufig, wo regelmäßig beispielsweise historische Unterrichtsvideos der Bolschoi-Akademie zu sehen sind. Der Inhaber der Schule, Ilya Kuznetsov, unterrichtet selbst die Jungs an der Bolschoi-Akademie, was einerseits natürlich Qualität erwarten lässt, andererseits aber auch nicht gerade zur Entspannung beiträgt, wenn man als Ausländer zum ersten Mal dorthin marschiert… 

Ein Blick auf den Online-Stundenplan und eine Nachfrage per Mail ließen die Wahl  jedenfalls auf eine „Ballett 2“-Class fallen – was sich angesichts nicht-existenter Russisch-Kenntnisse als gute Entscheidung entpuppte, weil das Niveau basic genug war, um allen Kombinationen gut folgen zu können. Als nun ein zweiter Moskau-Besuch anstand, war es also keine große Frage, ob, wo und in welches Level ich zum Training gehen könnte. Während das Training im Oktober Ilya selbst gab, war es nun seine Partnerin Sol, die unterrichtete.

Ballet-Studio Dance Secret

Nach dem ersten Training bei Dance Secret im Oktober 2014

Auch nach dem zweiten Besuch zeigte sich: Komplette Sprachbarriere hin, universelle Ballett-Terminologie her – man versteht genug und kann so einige Beobachtungen machen:

  • Pliés werden wohl grundsätzlich nur zu einer Seite gemacht. In diesem Fall war es überraschenderweise auch noch die linke!
  • Tendus, Jetés und Grand Battements boten reichlich Grund zu Kritik (die ich natürlich nur aufgrund von Demonstrationen nachvollziehen konnte) und wurden deswegen zu beiden Seiten wiederholt
  • Rond de jambe, Rond en l’air und Adagio: hier wurde besonders penibel Wert gelegt auf die Auswärtsdrehung (was natürlich nicht überrascht) und viel mit Épaulement sowie Écarté und Effacé gearbeitet. Das setzte sich dann auch in der Mitte fort und die Richtungswechsel und Blickrichtungen schienen den anderen (12) Teilnehmern sehr vertraut und unproblematisch. Das wird also offenbar wichtiger genommen, als es mir von Lehrern in Deutschland geläufig ist.
  • In der Mitte war neben Épaulement gute Stabilität und Balance gefragt – nicht nur fürs Adagio, sondern auch für Relevés und Pirouetten aus der zweiten Position
  • Sprünge fielen eher mager aus: ein paar Échappés und nur eine Diagonale mit Chassées, die also den Namen Grand Allegro wirklich nicht verdient
  • Auch ohne ein Wort der Korrekturen  buchstäblich zu verstehen, kann man durch Körpersprache, Imitationen falscher Bewegungen und korrekte Demonstrationen die Kritikpunkte ganz gut erschließen. Nachdem ich mich aber beim Reinkommen als Ausländerin und des Russischen unkundig geoutet hatte, wurde ich wohl eher verschont – die regelmäßigen Teilnehmer waren jedenfalls namentlich bekannt und wurden auch offen korrigiert.
  • Vokabeln, die man sich innerhalb einer Stunde zusammen reimen kann, sind neben den (möglicherweise ohnehin bekannten) Zahlen von eins bis vier (ras-dwa-tri-tschetirije) die Worte für „links“, „nach vorne“, „zur Seite“, (der Ausdruck für „nach hinten“ hat sich mir komischerweise nicht erschlossen) und „Pirouette“ muss offenbar keine Pirouette bezeichnen, sondern nur eine Drehung im Allgemeinen
Dance Secret

Nach der Class im Studio von Dance Secret im April 2015

P. S.: Das ausführliche und ultimative Ballett-in-Moskau-Besuchsprogramm kann man bei meiner Gastgeberin nachlesen.

April, April – was, schon so spät!?

Ein Blick auf den Kalender sowie die regelmäßige Frage einer Blogleserin: „Wie geht’s dem Quilt?“ lösten in den letzten Wochen nicht gerade Zuversicht aus. Denn es herrschte nicht nur hier zwei Monate Sendepause, sondern auch an der Nähmaschine.

Nun sind die Monate Februar und März traditionell beruflich gut ausgefüllt, sodass wenig Zeit für Sonderprojekte bleibt. Das war auch in diesem Jahr nicht anders, weshalb es um das Jahresprojekt Quilt noch nicht geschehen ist, nur weil die vergangenen zwei Monate mau waren. Das war schließlich absehbar. Am letzten Wochenende habe ich nun endlich wieder einmal ein paar Quadrate zusammengesetzt und komme damit bis jetzt auf ca. 50 vernähte und etliche weitere zugeschnittene Quadrate, die noch auf farblich passende Gesellschaft warten. Wäre ich im Soll, müsste ich bis heute 90 Teile verarbeitet haben.

365-Tage-Quilt Stand April

Über Ostern geht es nun einige Tage in die Heimat,  wo in meinem ehemaligen Kinderzimmer inzwischen ein Nähplatz Einzug gehalten hat. Wenn das kein gutes Omen ist…

(Und wer weiß – vielleicht fallen bei der Gelegenheit noch ein paar fremde Stoffreste ab, die mein Sortiment ergänzen und den Quilt beleben können.)

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