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Nähen nach Schnittmustern der Sowjetunion

Wenn Freunde wissen, dass man näht, kommt man hin und wieder zu überraschenden Geschenken – beispielsweise einem Überraschungstütchen aus einem Berliner (Hipster-)Laden für Selbstgemachtes und Selbermacher. Oder einem Modeheft mit Schnittmustern aus der Sowjetunion von 1970.

Das hat Katrin bei ihrem letzten Besuch in Kiew in einem Vintage-Laden entdeckt und im Zuge eines Spargelessens nach Dortmund mitgebracht. Nun ist „Rigas Modes“ für mich zunächst ein Bilderbuch, da die Texte darin auf Russisch sind. Und der erste optische Eindruck ist mindestens so überraschend wie das Geschenk selbst: Es ist keineswegs alles Kittelschürzen-Mode à la Babuschka, sondern einige der Schnittmuster könnte man heute ohne Weiteres verwenden. Zum Beispiel das für den Mantel mit halbrunden Teilungsnähten.

Weitere interessante Feststellungen beim Durchblättern und Entziffern:

  • Auch in der Sowjetunion hatten Stoffballen offenbar eine Standardbreite von 1,40 m
  • für welche Größe die Schnittmuster und der Stoffverbrauch angegeben sind, variiert (nach nicht ersichtlichen Kriterien): Während die Skizzen alle schlanke junge Frauen zeigen, beziehen sich die Angaben für den lila Mantel auf eine (russische) Größe 52, was immerhin einer europäischen Größe 46 entspricht, das A-Linien-Kleid hingegen ist in (russischer) Größe 46 (also Gr. 40 hierzulande) angegeben.
  • man bräuchte viel Geduld, um die Schnittmuster anhand der angegebenen Maße zu übertragen und einige Erfahrung, um sie auch auf andere Größen anzupassen.

Nählatein für Fortgeschrittene

Aber wäre es nicht auch interessant zu wissen, was die Begleittexte zu den Schnitten besagen? Zum Glück kann die Quelle des Geschenks auch hier aushelfen und war so nett eine Übersetzung der ersten Seite zu organisieren. Dort lernen wir, wie praktisch es für 20-jährige Studentinnen ist, wenn sie aus wenigen Kleidungsstücken sieben verschiedene Outfits kreieren können:

Dafür muss man nur zwei Kleidungssätze besitzen: erstens – einen schräg-karierten Rock und eine Weste, und zweitens – einen weißen Faltenrock und eine ärmellöse Tunika, sowie als Ergänzung dazu einen feinen z. B. schwarzen, blauen oder braunen Pullover, zwei Blusen, kariert und einfarbig, am besten in Weiß, einen langen Seidenschal, ein gemustertes Tuch (als Halstuch) und einen einfarbigen Wollschal für die Herbsttage.

Es folgen einige Hinweise zu nützlichen Accessoires, mit denen man das Ganze „pimpen“ könnte und dann eine Beschreibung der Arbeitsschritte: Hals- und Armausschnitte der Weste mit Besätzen versäubern, […], Falte in die Tasche bügeln, eine Blende anstürzen und auf der Tasche absteppen, für die Bluse eine Falte in die Passe der Vorderseite legen und absteppen…

Rigas Modes 1970 Schnittmuster Sowjetunion

Unmittelbare Erkenntnis: Wie verwöhnt ich doch von unseren heutigen Schnittmuster-Anleitungen bin! Wo jeder entscheidende Schritt in E-Books bebildert wird und die häufig auch als YouTube-Tutorials zur Verfügung gestellt werden. Dieses Heft richtet sich wohl nicht an Anfänger!

Wenn ich aber doch einmal übermütig werden sollte, würde ich mir die Seite 12 übersetzen lassen und den Mantel mit der verdeckten Knopfleiste nähen. Direkt nachdem ich gelernt habe, wie man Schnittmuster gradiert.

Eine Laien-Violine in Profi-Händen

Wie es kam, dass Patricia Kopatchinskaja einmal auf meiner Geige spielte

Meine Geige führt seit geraumer Zeit ein Schattendasein: eingesperrt in ihrem Kasten, abgestellt in der Ecke hinter dem Notenständer, der als Ablage für Chornoten dient. Und hätten nicht Komponisten immer wieder einmal Werke geschrieben, in denen eine umgestimmte Geige (zusätzlich zur regulär in Quinten gestimmten) benötigt wird, hätte sich daran wohl aktuell auch nichts geändert.

Doch auf dem Spielplan im Konzerthaus Dortmund standen Kurtágs „Kafka-Fragmente“, eine Vertonung kurzer Notizen, Aphorismen und Miniaturen von Franz Kafka für Sopran und Violine. Und drei dieser kleinen Stücke erfordern entweder eine umgestimmte Geige oder dass der Interpret beim Spielen an den Wirbeln dreht und sie hörbar verstimmt. Damit das Profi-Instrument unmittelbar danach wieder reine Töne produzieren kann, ist es üblich, ein zweites Instrument zur Hand zu haben, um  ohne eine Stimmpause weiterspielen zu können.

In prominenter Gesellschaft

Patricia Kopatchinskaja, die Solistin der „Kafka-Fragmente“, hätte natürlich selbst eine zweite Geige mitbringen können. Doch da sie direkt aus den USA anreiste, war das nicht möglich und ihre Agentur bat das Konzerthaus, ein weiteres Instrument zu organisieren. Nun könnte man meinen, dass Musiker dieses Kalibers nicht auf irgendeinem Instrument spielen. Doch das ist keineswegs ungewöhnlich und das Management betonte, es müsse keine besonders wertvolle Geige sein – wohl auch, weil die verzerrten Klänge ja Teil der Komposition sind und die veränderte Saitenspannung ohnehin keinen authentischen Eindruck der Qualitäten eines Instruments erlaubt.

Da mein Laien-Instrument zuvor schon verschiedenen anderen Weltklasse-Geigern (Carolin Widmann, Janine Jansen und Pekka Kuusisto) getaugt hatte, um Bartóks „Kontraste“ darauf zu spielen, kam der Kollege also auch in diesem Fall auf mich und meine vernachlässigte Geige zu, die so wieder einmal einen Moment im Rampenlicht der Konzerthaus-Bühne stehen durfte.

Laien- vs. Profi-Instrument

Wie klang sie also nun – meine Amateur-Geige, verglichen mit Patricia Kopatchinskajas Pressenda von 1834? (Der Geigenbau-Zettel in besagter Amateur-Geige weist sie zwar als Instrument aus Cremona aus dem Jahr Siebzehnhundertungerade aus, doch diesen Zettel hat nach Expertenmeinung wohl eher ein bescheidener, wenn auch geschäftstüchtiger Geigenbauer aus Sachsen im späten 19. Jahrhundert dorthin geklebt.)

Da nun wie gesagt die Saitenspannung bei der Beurteilung des Klangs natürlich eine wichtige Rolle spielt, scheint es nicht verwunderlich, dass meine Geige etwas wärmer, hauchiger und weniger durchdringend klang, da ihre Saiten tiefer gestimmt waren. Doch wie schon die drei oben genannten Vorgänger bestätigte auch Patricia Kopatchinskaja nach dem Konzert, dass dies ein gutes Instrument sei, das sich wohltuend von den Zigarrenkästen abhebt, die sie sonst in diesem Werk manchmal spielt.

Und während ich bislang nie auf die Idee gekommen war, die prominenten Geiger ihre Nutzung meines Instruments „quittieren“ zu lassen, bat ich Patricia Kopatchinskaja um ein entsprechendes Autogramm. Ob es den Wert meiner Geige steigert, sei dahingestellt – die ohnehin bewegte (Familien-)geschichte dieser Violine ist nun jedenfalls um ein Kapitel reicher.

Patricia Kopatchinskaja Konzerthaus Dortmund Violine

Ella für Elfen: Kleid zu verschenken

Manchmal muss man auf die harte Tour lernen: Kaum ein Tutorial, Forum oder Nähblog, der nicht ausdrücklich darauf hinweist, dass man vor dem Zuschnitt in einer bestimmten Größe die Maßtabelle des Schnittmusters studieren soll. Kaufgrößen und „Nähgrößen“ können sich nämlich bisweilen deutlich unterscheiden. Außerdem hat man natürlich beim Selbernähen die Möglichkeit, Größen zu kombinieren (beispielsweise oben eine 38, an der Hüfte eine 40). Da ich im Normalfall mit einer Größe 38 bei pattydoo-Schnittmustern gut gefahren bin, hatte ich auch das Schnittmuster für das Kleid Ella in der Größe ausgeschnitten. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Seit langem lag ein Trigema-Coupon in meinem Stoffvorrat – genau die richtige Menge für ein Sommerkleid mit amerikanischem Ausschnitt und kurzen Ärmeln. Ein solches Kleid gibt es nun auch, jedoch nicht für mich. Denn nachdem Ober- und Unterteil verbunden waren und die Schneiderin zur Anprobe hineinschlüpfen wollte, zeigte sich die Fehlentscheidung, das Schnittmuster auf gut Glück in Größe 38 zu nähen: Schon an den Schultern war Ende – keine Chance, das Kleid überhaupt ganz überzustreifen.

Ein Blick in die Größentabelle ergab: Tatsächlich wäre wohl die Größe E passender gewesen, wobei das zu klein geratene Kleid auch der zierlichen Kollegin, der ich es hätte vererben können, nicht passte. Vielleicht ist also beim Nähen noch mehr schief gelaufen…

Doch des einen Leid könnte des anderen Freud sein: Bevor dieses Kleid nun in den Altkleider-Container wandert, freue ich mich, wenn es hier einen Abnehmer findet. Wer passt rein und gibt diesem Kleid aus violetter Baumwolle mit gelben Bündchen ein Zuhause? Dies sind die Endmaße des Kleids:

Schulterbreite 32 cm
Brustumfang 78 cm
Taillenumfang 70 cm
Gesamtlänge 84 cm

Elfen, Bohnenstangen und Teenies bitte melden

Neue Idee: Ballettröcke made by kakakiri

Unter Profitänzern gibt es viele, die nebenbei ihre eigene Ballettkleidung entwerfen und verkaufen. Die bekannteste ist wohl Yumiko Takeshima, die mit ihrem Trikot-Label Yumiko inzwischen zur weltweiten Marke geworden ist. Aber auch viele andere Ballerinas haben ein Faible für Stoffe und Nähen: Alice Williamson vom Staatsballett Berlin mit ihren Röcken Designed by AliceJordan Reed (ehemals Houston Ballet), die individuelle Trikots anfertigt, Ashley Ellis vom Boston Ballet, die Stulpen und Warmup-Bekleidung herstellt, oder Tracy Jones vom Colorado Ballet, die mit Tulips by Tracy auch ihr eigenes Rock-Label hat. Diese keineswegs vollständige Liste zeigt nicht nur, dass sich offenbar viele Tänzerinnen auch für Textiles interessieren, sondern dass es wohl auch einen Markt für individuell angefertigte Tanzbekleidung gibt.

Während ich schon versucht habe, Trikots selbst zu nähen und bislang mit den Ergebnissen noch nicht ganz zufrieden war, habe ich einige selbstgenähte Ballettröcke, Warmup-Hosen und Stulpen im Schrank, die regelmäßig zum Einsatz kommen. So entstand nun die Idee, doch einmal im Kleinen zu probieren, ob es nicht auch in meinem Umfeld Interessenten für selbstgenähte Ballettkleidung gibt. Für den Anfang konzentriere ich mich auf Röcke, die leicht in verschiedenen Längen, Mustern und Farbzusammenstellungen zu nähen sind.

Ein kleiner Testballon in Form eines Instagram-Bildes und Tweets brachte gleich positive Reaktionen, sodass der Versuch nun Beine bekommt: Ab sofort findet man mich als kakakiri auch auf Etsy und kann dort die ersten selbstgenähten Röcke in verschiedenen Prints und Längen bestellen. Individuelle Wünsche werden natürlich gerne entgegen genommen.

Ballettröcke kakakiri handgemacht Etsy

 

Kopflose Flamingos oder die Sache mit dem Rapport

Treffen sich zwei Flamingos. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, war in Wahrheit die große Herausforderung meines letzten Nähprojekts. Ganz arglos hatte ich im vergangenen Sommer diesen Doubleface-Stoff mit Glitzerflamingos auf der einen und maritimen Streifen auf der anderen Seite gekauft. Auf Verdacht, ohne konkretes Projekt im Kopf – einfach, weil er mir gefiel.

Als mir nun ein Verwendungszweck einfiel, fingen damit auch schon die Probleme an: Für den Sweat-Blazer Lady Grace von mialuna brauchte ich nämlich laut Maßtabelle mindestens 1,55 m Stoff. Ich hatte aber nur 1,20 m gekauft. Und mir war klar, dass natürlich gerade bei einem Motiv wie den Flamingos nichts herauszuholen sein würde, indem man Schnittmusterteile geschickt gegeneinander verschränkt auf dem Stoff platziert. (Hier spricht die Frau, die mal ein Shirt mit Ankern im Kopfstand genäht hat…)

Zum Glück ließ sich für den Flamingo-Stoff noch Nachschub auftreiben. Natürlich habe ich nicht nur die fehlenden 30 cm gekauft, sondern 60 cm bestellt, damit in der Höhe auch Platz für die einschlägigen Teile des Schnittmusters wäre.

Der Zuschnitt konnte also beginnen. Während Zuschneiden schon bei „normalen“ Projekten nicht zu meinen Lieblingsarbeiten zählt, war es in diesem Fall ein Puzzle mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: Um sicherzustellen, dass die Flamingos nicht an ungünstigen Stellen zerteilt werden und v. a. idealerweise an den Nähten auch wieder passend aufeinandertreffen, habe ich jedes Teil einzeln zugeschnitten und nicht wie sonst in doppelter Stofflage. Die Tüftelei funktionierte so lange gut, bis ich zu den Seitenteilen des Rückens gelangte, die ich aus dem nachgekauften Stoffstück zuschneiden wollte. Das hatte zwar die notwendige Gesamthöhe dafür, aber der Abschnitt passte nicht zu dem des Rückenmittelteils, da der Rapport so groß ist. Es war also nicht möglich, die Schnittmusterteile so anzulegen, dass identische Flamingos aufeinander trafen, da dann wiederum doch oben oder unten jeweils ein Stückchen gefehlt hätte. Auf dem Rücken musste ich mich also von der Idee passgenau angesetzter Flamingos verabschieden.

Blieb noch eine kritische Naht auf der Vorderseite, an der es galt, die Nahtzugaben möglichst haargenau gleich zu bemessen, um am Ende einen vollständigen Flamingo zu erhalten. Das Kunststück ist bei näherem Hinsehen nicht ganz gelungen, führt aber auf den ersten Blick jedenfalls nicht zu Irritationen. Zum Glück können Flamingos ja bekanntlich auch auf einem Bein stehen.

Plotten statt kleben! Schnittmuster auf A0 ausdrucken

Ich weiß: Ich bin nicht die erste, die diese Möglichkeit erfindet und auch nicht die erste, die darüber bloggt. Aber weil ich diese kürzliche Entdeckung so großartig finde, muss ich nun trotzdem darüber schreiben:

Wenn man Schnittmuster als E-Book kauft, bedeutet das normalerweise, dass man sie auf DIN A4 ausdruckt und dann einen Abend mit Schere und Tesafilm über den Boden kriecht, um die Einzelseiten passgenau zusammenzukleben. Dann las ich von Schnittherzchen, wo man die A4-Muster auf A0 ausplotten lassen kann. Darüber hinaus gibt es dort sogar die Möglichkeit, mit einem recht einfachen Online-Tool die Seiten zuvor richtig anzuordnen (denn der Schritt muss natürlich vorausgehen — schließlich sind alle Schnittmuster unterschiedlich aufgeteilt). Ich habe damit ein wenig rumgespielt und fand die Idee großartig, aber der Preis von ca. 9,95 € für einen zusammenzufügenden Schnitt und entsprechenden Plot inklusive Versand war mir dann doch ein wenig zu hoch. Doch die Idee schien es mir wert, weiterverfolgt zu werden, und siehe da: Andere Nähnerds waren vor mir auf die gleiche Idee gekommen (z. B. drehumdiebolzeningenieur).

Denn mit etwas Computerspielerei ist es gar nicht schwierig, aus den A4-Vorlagen wieder eine A0-Datei zusammenzusetzen und sie für kleines Geld plotten zu lassen. Mit Photoshop oder dem kostenlosen Programm Inkscape ist das mit etwas Übung schnell geschehen. Ich brauche für ein normal großes Schnittmuster mit ca. 20 Seiten etwa eine halbe Stunde. Dabei muss man natürlich darauf achten, dass man die Kleberänder, die für die A4-Ausdrucke eingeplant sind, wieder abzieht und die Schnittlinien (mit Hilfe der Klebemarkierungen, falls vorhanden) genau aneinander setzt.

Drei einfache Schritte

  1. In Photoshop eine neue Datei mit DIN-A0-Format anlegen (841 x 1189 mm)
  2. Über „Datei → Platzieren und Einbetten“ nach und nach die entsprechenden Seiten des Schnittmuster-PDFs laden und an Ort und Stelle schieben
  3. das fertige Dokument als PDF abspeichern

Da die Portokosten für die Plots sich natürlich nach dem Gewicht richten, lohnt es sich auch, mehrere Plots auf einmal zu bestellen. Ich habe daher direkt mal drei Schnittmuster, die ich schon länger auf der Festplatte, aber noch nicht ausgedruckt und zusammengeklebt hatte, geplottet und für vier A0-Bögen und einen A1-Bogen inklusive Versand 7,89 € bezahlt, was die Sache in meinen Augen total wert ist. Denn mir persönlich ist eine halbe Stunde Photoshop-Basteln deutlich lieber als das Herumkriechen auf dem Boden mit Schere und Tesafilm. Natürlich muss man dann wiederum 1-2 Tage warten, bis der bestellte Plot zu Hause ankommt, aber wenn man es nicht furchtbar eilig hat, lohnt sich das auf jeden Fall.

Neben der Klebearbeit, die man sich spart, sind die Plots auch um ein Vielfaches platzsparender aufzubewahren. Mir jedenfalls ist es noch nicht gelungen, eine Klebe- und Falttechnik zu entwickeln, bei der man den Schnitt nicht anschließend erstmal bügeln müsste, um ihn vernünftig wiederzuverwenden.

In manchen Fällen ist es aber sicherlich fraglich, ob sich der Plot wirklich lohnt: Da Farbplots deutlich teurer sind als schwarzweiße, sind Schnittmuster mit feinen Farblinien für die verschiedenen Größen und vielen Passermarken sicherlich nur im Farbdruck zu gebrauchen. Wenn sie dann noch so groß sind, dass sie nicht auf einen A0-Bogen passen, sondern man zwei daraus machen müsste, liegt man schnell wieder bei knapp 10 € für den Plot, sodass es dann sicher Ansichtssache ist, ob es sich dennoch lohnt.

Ich werde aber sicher in Zukunft öfter mal die Plotter-Option ziehen und mich darüber freuen, denn ich bastel einfach viel lieber mit Stoff als mit Schere und Kleber!

Das Elend mit dem Videoschnitt

Eigentlich fing alles damit an, dass ich nach dem letzten Sommerurlaub beschloss, meine etwas in die Jahre gekommene Spiegelreflex-Kamera (von 2007) zu verkaufen und mir stattdessen eine kleine Action-Cam zuzulegen. Nicht so sehr, weil ich so wahnsinnig actionreich unterwegs wäre, sondern eher, weil diese Kameras ein unglaublich handliches Format haben und zudem einen sehr weitwinkligen Bildausschnitt liefern ‒ eine gute Ergänzung zum iPhone also.

Mit dieser neuen Kamera, die neben Fotos eben insbesondere auch für Videos geeignet ist, habe ich im daher im Silvesterurlaub auch mehr Videos gemacht als bisher und hätte daraus nun gerne ein schönes Urlaubsfilmchen zusammengeschnitten. Computerspielereien machen mir ja eigentlich Spaß und ich hatte schon gelegentlich mit dem Windows Movie Maker etwas zusammengeschnitten. Nun gibt es aber unter Windows 10 den Movie Maker nicht mehr, sodass ich mich nach einem Ersatz umsah ‒ idealerweise natürlich Freeware.

Drei Kandidaten

Den ersten Versuch unternahm ich mit Shotcut, das aber aufgrund recht begrenzter Möglichkeiten schnell durchfiel.

Also weiter zu Nummer 2: OpenShot erwies sich in der Handhabung und den Optionen als sehr gut. Doch je länger das Video wurde, umso instabiler lief das Programm, bis die Absturzfrequenz einfach zu hoch wurde und ich mich trotz der bereits investierten Zeit noch einmal nach einer Alternative umsah.

VSDC Free Video Editor hieß die und ich fing abermals von vorne an. Zwar ist die Handhabung dieses Programms nicht ganz so intuitiv und in Teilen auch eher umständlich, aber es mutet meinem nicht allzu leistungsstarken Laptop nicht zu viel zu, weil es durch die Untergliederung in Szenen „verdauliche“ Einheiten statt eines großen Videoprojekts schafft, sodass sich das Programm nicht bei jedem Preview-Versuch aufhängt. Die große Ernüchterung kam dann, als ich das fertige Video endlich rendern und exportieren wollte, denn welches Dateiformat ich auch wählte,  spätestens bei etwa 25% des Videos erschien eine Fehlermeldung und das Programm hängte sich auf.

VSDC Video Editor Fehler Videoschnitt

Nach zig Stunden Arbeit und bisher null Ergebnis ist meine Stimmung irgendwo zwischen „mimimi“ und „ich brauch einfach ein Macbook (iMovie!)“. Vielleicht könnt ihr mir ja aber auch helfen und ein funktionierendes Videoschnitt-Programm empfehlen, das auch auf einem Nicht-High-End-Laptop rund läuft und für Heimanwender taugt.

Laola in der Elbphilharmonie

Eigentlich hatte ich mich damit abgefunden, die Elbphilharmonie nicht vor nächster Saison von innen zu sehen. Schließlich sind die Tickets für alle Konzerte bis zum Sommer seit langem restlos ausverkauft.

Doch manchmal hat man auch einfach Glück – oder eine liebe Freundin mit guten Kontakten. Und so kam ich nun drei Wochen nach der offiziellen Eröffnung an ein Ticket für ein Konzert für Hamburg des NDR Elbphilharmonie Orchesters im Großen Saal der „Elphi“.

Die Vorfreude war natürlich riesig. Ich fragte mich aber auch, ob der Hype wohl gerechtfertigt ist, oder ob nach all der medialen Aufmerksamkeit das tatsächliche Erlebnis eher unspektakulär ausfällt – schließlich habe ich schon einige Konzertsäle von innen gesehen. Gut, eine gebogene Rolltreppe („Tube“), eine Besucherplattform auf 37 m Höhe („Plaza“) und solche fancy Namen dafür haben natürlich die wenigsten…

Aber nun zur brennenden Frage:

@kakakiri Und? Wie klingt’s nun? Blogpost, bitte!

— Katrin Scheib (@kscheib) 4. Februar 2017

Der erste Eindruck

Viel hatte man gehört von der „Weißen Haut“, der Gipsverkleidung der Wände, die mit unregelmäßigen Rillen überzogen ist und dafür sorgen soll, dass der Schall gleichmäßig gestreut wird. So war ich überrascht von dem gedämpften Licht beim Einlass, das die gräuliche Wand ganz und gar nicht weiß wirken lässt.

Unsere Plätze im Block I in der 13. Etage, direkt über der Bühne hinter den 1. Geigen und Harfen, boten einen tollen Ausblick aufs Geschehen im Orchester und ließen selbst mich Insider über ein paar Dinge staunen bzw. schmunzeln. (Es gibt Halterungen für Horndämpfer, die man an den Stuhlbeinen befestigt.)


Zur Beurteilung der Akustik waren die Plätze sicherlich nicht ganz ideal. Im Cellokonzert von Haydn hörte man den Solisten Nicolas Altstaedt immer ein wenig gedämpft – immerhin war sein eigener Körper und die gesamte Geigengruppe zwischen seinem Instrument und uns. Auch das Orchester klang von diesem Platz ein wenig geigenlastig. Doch es wurde schon in diesem Werk deutlich, was anschließend Bartóks Konzert für Orchester bestätigte: Der Saal verkraftet dynamische Extreme. Einziger Wermuthstropfen in den Pianissimo-Stellen: das Rauschen der Scheinwerfer, die bereits für die zweite Veranstaltung des Abends eingehängt waren und deren Lüftungen offenbar auch im Standby liefen.

Die Konzerthaus-Mitarbeiterin in mir bemerkte außerdem, dass die Foyerkräfte sehr hübsche Uniformen trugen (frackähnliche Kombinationen mit einem maritimen Ringelshirt) und es offenbar auch andernorts schwierig ist, das Foto- und Videoverbot im Konzert strikt zu forcieren (ich wurde mehrfach von filmenden Handys mit „Taschenlampe“ geblendet; ein Herr im Parkett fotografierte mit Spiegelreflex-Kamera und Blitz, und ringsherum wurde natürlich eifrig Smartphone-geknipst).

Der zweite Eindruck

Nach dem gut einstündigen Konzert wäre ich zufrieden rausgegangen und hätte mich über meine unverhoffte Elphi-Premiere gefreut, doch es kam noch besser: Die liebe Freundin mit den Connections hatte auch noch zwei Tickets für die anschließende NDR Late Night ergattert, sodass wir nach einem Bierchen in der Elbphilharmonie-Bar Störtebeker noch einmal aus anderer Perspektive schauen und hören konnten.

Jetzt saßen wir in der 15. Etage im Block O direkt hinter dem Orchester. Dort war nicht nur die Aussicht eine andere, sondern auch der akustische Eindruck. Die von den Kritikern beschriebene Transparenz wurde dort – direkt hinter den Bläsern – insbesondere in Beethovens 5. Sinfonie offenkundig: Noch nie hatte ich einzelne „Bom-Bom-Boms“ der Fagotte oder gewisse Oboen-Passagen so deutlich herausgehört. Die unbarmherzige Konsequenz dieser klaren Akustik ist natürlich, dass auch Intonationsprobleme oder andere Wackler überdeutlich zu Tage treten.

Auf Beethoven folgten noch Lieder von Gershwin, in denen sich wiederum eine Herausforderung dieser Saalarchitektur zeigte: Die Lautsprecher für die mikrofonierte Sängerin J’Nai Bridges waren nur nach vorne gerichtet – für uns Zuhörer hinter dem Orchester klang daher alles etwas dumpf und weit entfernt.

Moderiert wurde dieses Konzert von Moderatoren der N-Joy Morningshow, die die Besucher nicht nur nach ihren Konzertbesuchsgewohnheiten fragten (erstaunlich und erfreulich viele „Ersttäter“!), sondern sie nach einer lockeren Plauderei mit einer Hornistin auch animierten, das Orchester mit einer Laola zu belohnen – hier zeigte sich allerdings entweder die berühmte hanseatische Zurückhaltung oder dringender Nachhilfebedarf bei Fußballfans!

Der dritte Eindruck

Mittlerweile war es kurz vor 23.00 Uhr und man hätte spätestens jetzt äußerst zufrieden nach Hause gehen können, doch das Late-Night-Format ging noch weiter: Nach einer Umbaupause sollten auf den klassischen Teil mit Orchester Tim Bendzko mit Band folgen! An Nachhausegehen war also noch nicht zu denken – stattdessen ergab sich ein erneuter Platzwechsel. Diesmal in die 16. Etage und den Block V, fast ganz oben unter dem Dach schräg links vor der Bühne.

Nach unserem Eindruck während der verstärkten Gershwin-Lieder war das sicher ein guter Tausch, da für die Band von Tim Bendzko zwar noch einige dicke Soundcluster auf der Bühne aufgestellt worden waren, die aber alle ebenfalls nach vorne gerichtet waren.

Spannend war in diesem Teil die Modifikation der Saalakustik durch glatte Wände, die in regelmäßigen Abständen aus dem Boden vor der Weißen Haut hochgezogen worden waren und die mit ihrer glatten Oberfläche bewirken sollen, dass die akustisch verstärkte Musik nicht breit gestreut und reflektiert wird.

Fazit

Dieses Haus gleich aus drei Perspektiven mit Repertoire von Frühklassik über Jazziges bis hin zum Pop kennenlernen zu können, war natürlich ein einmaliger Glücksfall! Und obwohl die Akustik sicher nicht für alles oder alle perfekt geeignet ist, macht es großen Spaß, das Ohr so genau am Geschehen zu haben – von der Atmosphäre, die auch bei 2100 Menschen im Saal noch „gemütlich“ wirkt, ganz zu schweigen. Ich drücke also allen die Daumen, die ungeduldig auf die nächste Vorverkaufsrunde warten, die am 15. Februar startet!

Was als „schnelles“ Stoffreste-Verwertungs-Shirt begann wurde die Geschichte einer Serie von Nähfehlern: Wie ich versuchte, einen verunglückten Halsausschnitt zu retten und dabei alles schlimmer machte.

 

Die Chronologie des Versagens:

  1. Halsbündchen beim Annähen nicht genug dehnen
  2. die Mühe des Auftrennens scheuen
  3. die Schnapsidee ausbrüten, mit einer Knopfleiste den Ausschnitt zusammenziehen zu können
  4. entgegen allen Empfehlungen die Knopfleiste nicht zunächst an einem Probestück nähen
  5. bei dieser Premiere auch noch eigene „Variationen“ hinzuerfinden
  6. Anleitung missverstehen
  7. völlig missglücktes Nähgut erhalten

Nach dieser Serie von Pannen und Fehlern war das Shirt (übrigens nach diesem Schnitt) eigentlich ruiniert, es einfach wegzuschmeißen brachte ich aber trotzdem nicht übers Herz. In einem letzten Rettungsversuch kam mir so die Idee, den Ausschnitt auch unten noch einzufassen und mit einem Knebelverschluss nach asiatischem Vorbild zu versehen. Es wurden dann am Ende Satinbänder und KamSnaps.

Das Longsleeve ist nun zwar grundsätzlich tragbar, doch seit langem eines meiner armseligsten Werke.

2016 – Ein Jahresrückblick in Suchbegriffen

Ich blogge nun seit etwas über zwei Jahren in sporadischen Abständen hauptsächlich über zwei Themen – Nähen und Ballett. Wieviele Menschen das interessieren würde, konnte ich zu Beginn überhaupt nicht abschätzen und versprach mir daher keine große Leserschaft. Nun haben im zweiten Jahr meines Bloggerdaseins insbesondere zwei Posts dazu geführt, dass sich die Zahl der Besucher hier von 2015 auf 2016 immerhin fast verzehnfacht hat: dieser über die Pärchen-Handschuhe und dieser über mein Reiseetui aus SnapPap.

So erfreulich die Entwicklung der Klick-Statistik für diesen Blog sind, so bedauerlich ist es, dass Google seit einigen Jahren die Suchbegriffe verschlüsselt, die Menschen hierher führen. So gibt die WordPress-Statistik leider nur Auskunft über einen kleinen Teil der Suchanfragen, die dazu geführt haben, dass Leute 2016 meine Seite entdeckten. Eine Vielzahl der Suchbegriffe weist in Richtung der oben genannten oder weiterer Posts, doch einige sind kurioser und überraschender:

wie näht man essen – Diese Frage führt ganz klar hierhin. Ob die Antwort dann allerdings befriedigend ausfällt, sei dahingestellt. Immerhin liefert ein Bild Indizien dafür, wie ich aus Filz und Stoffresten Möhren, Spiegeleier und Farfalle genäht und hautfarbene Feinstrümpfe zu Kartoffeln verarbeitet habe. Wenn ihr allerdings nach schnittmuster säbel sucht oder kleine piraten nähen wollt, muss ich passen. Und bei granta parei habt ihr mich ganz verloren. Google klärt mich immerhin auf, dass das Hotel Granta Parey in den norditalienischen Alpen liegt und die Bildersuche lässt vermuten, dass es dort ganz nett ist.

was tanzt man am ende eine ballettstunde [sic] – Diese Frage beantworte ich wohl explizit so nirgends, sondern streife sie nur am Rande in meinem Post über die Ballettstunde in Russland: Das Grand Allegro steht typischerweise am Ende einer Ballettstunde, wenn man nicht danach noch zu einer Coda mit Fouettés oder Pirouettes à la seconde genötigt wird.

Dass es außer mir noch jemanden gibt, der lummerland ballett in einem Atemzug nennt, freut mich besonders, weil es zu diesem Eintrag über eine absolute Gute-Laune-Musik für die Ballettstunde führt. Schließlich kann ich noch eine letzte Suchanfrage hier ganz knapp beantworten: ist kaka ein stoff? Nein.

2.790 weitere Suchbegriffe (nicht -anfragen!) legt mir die Statistik leider nicht offen – aber verratet mir gerne in den Kommentaren, was euch hierher geführt hat!

Kudos übrigens an Katrin Scheib für die Idee zu diesem Post!

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